Tut was!
Fast liegt es auf der Hand, die Gelenkigkeit, die Grazie der Lessingschen Verse einmal
direkt ins Körperliche, ins Tänzerische zu übersetzen: «Nathan» nicht nur als rhetorisches, sondern als buchstäbliches Ballett (mit Worten) aufzufassen. Das Stück zeichnet sich entgegen seinem Ruf nicht allein durch trockene Vernunft, sondern vor allem durch eine eminente Theatralität aus; diese ernstzunehmen, kann oder muss auch heißen: die Komik des Textes zu forcieren.
Die junge Regisseurin Franziska Marie Gramss unternimmt in ihrer Bonner Werkstattinszenierung mit sieben fabelhaften Schauspielern einen bestechenden Versuch, «unser aller Aufsatzthema» (so der Schriftsteller Lutz Seiler) mit der Souveränität und der Chuzpe einer begabten Abiturientin so anzugehen, dass der Lehrer den erwarteten Toleranzappell vielleicht eine Weile zwischen den Zeilen suchen muss, aber aus dem zustimmenden Schmunzeln nicht mehr herauskommt.
Die Bühne von Carolin Mittler: ein eierschalfarbenes Halbrund mit einer schmalen Bank, auf der die Akteure Platz nehmen. Das Eierschalfarbene spielt auch in den fantasievollen Kostümen (ebenfalls von Mittler) eine bedeutende Rolle, der beleibte Nathan (Günter Alt) ist ganz so ...
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Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Martin Krumbholz
Fernsehen
Samstag, 1.
19.00, Theaterkanal: Theaterlandschaften:
Staatstheater Braunschweig – ein Film
von Dag Freyer
Sonntag, 2.
14.00, arte: Lust auf Theater: Grimms Märchen –Das Mädchen ohne Hände, Regie Olivier Py. Aufzeichnung aus dem Centre Dramatique National in Orléans (2006)
21.00, arte: Die Bartholomäusnacht –
französischer Spielfilm (1994) von Patrice Chéreau,...
Bei Film-, Fernseh- oder Theaterfestivals wäre es nicht denkbar, dass in vier von fünf Jahrgängen Jury- und Publikumspreis an die gleiche Produktion fallen. Bei den ARD-Hörspieltagen in Karlsruhe geht das. Jetzt ereilte die doppelte Ehre Thilo Refferts O-Ton-Hörspiel «Die Sicherheit einer geschlossenen Fahrgastzelle» (Produktion: MDR, Regie: Stefan Kanis). Und auch...
Sie bewegt sich in einer Welt untergründig bebender Grenzgänger, gibt ihren Figuren
allerdings einen derart zurückhaltenden Ton mit auf den Weg, dass man meint, sie habe ein Schlachtengemälde zeichnen wollen, sich dann aber doch für ein Stillleben entschieden. Eines zumindest begreift man: Bettina Erasmys Welt ist nicht zuletzt deshalb leicht entzündlich, weil der...
