Tausend Warums
Für den Titel ihres neuen Stückes greift die serbische Dramatikerin Biljana Srbljanovic tief in die Begriffskiste der religiösen und spirituellen Mythologie: Dort steht «Barbelo» mal generell für (religiöse) Offenbarung, mal, wie bei den Gnostikern, für «die Mutter alles Lebenden», und schließlich wird damit schlicht und sehr konkret auch die Gebärmutter bezeichnet. «Barbelo» also als eine Art Quelle der Welt: der weibliche Unterleib, der Leben spendet und der Beginn von allem ist.
Biljana Srbljanovics «Barbelo» ist in diesem Sinne zunächst ein Stück über Mütter und über den Wunsch, Mutter zu sein. Und es ist im Kern eine Familiengeschichte, die von komplizierten Verhältnissen handelt: Von Marko, dessen Frau gestorben ist, von seinem zu dicken Sohn Zoran und von Milena – Markos neuer Frau und Zorans Stiefmutter –, die sich so sehr ein eigenes Kind wünscht, aber nach einer fälschlich diagnostizierten Schwangerschaft dann doch nur einen Hund bekommt. Und auch sie, die verhinderte Möchtegern-Mutter und Stiefmutter, hat selbst eine Mutter: Mila, mit der sie einen endlosen Dialog in Briefen führt, der eigentlich ein Monolog ist und ein unerhörter Schrei nach Liebe, weil Milena auf ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 178
von Thomas Laue
Manchmal findet sich, wenn man müde ist von der immer weiter anschwellenden Flut «Szenischen Schreibens» hierzulande, ein Text, der richtig Theater sein will. Und als griffen wir nach langem wieder zum Märchenbuch, werden wir verzaubert, vom Unterbewussten heimgesucht, entführt, von Äxten, Dämonen und der eigenen Familie bedroht, fahren wir in schrottreifen Karren...
Christian Winkler, 1981 in Graz geboren und in der Steiermark aufgewachsen, kennt das englischsprachige Theater ebenso wie das deutschsprachige und ist erst vor kurzem von seinem Londoner Regiestudium nach Österreich zurückgekehrt, um nun von dort aus als Regisseur und Autor Theater zu machen. Und in den letzten Monaten ist viel passiert: Winkler hat seine Texte in...
Verabredet waren ungefähr zehn Minuten. Zehn Minuten am Handy; fünf, sechs Sätze über Constanze Becker. Sven Lehmann, Beckers Kollege vom Deutschen Theater Berlin, ruft schließlich aus seinem verdienten Jahresurlaub an.
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