System statt Vertrauen
Vertrauensverlust und Erschöpfung scheinen in einem gegenwärtig leicht nachvollziehbaren Zusammenhang zu stehen. Die wichtigste Voraussetzung für einen Burn-out sind mangelhafte menschliche Bindungen. Offensichtlich scheint sich der seelische Akku nur im spielerischen, angstfreien Miteinander einander nahestehender Menschen wieder aufzuladen.
Dieser psychischen Mechanik steht ein evolutionärer Mechanismus der Gesellschaft entgegen, der Vertrauen durch systemische Funktionen ersetzt hat.
Wer einen Vertrag abschließt, benötigt juristische Fachkenntnis, muss aber dem Vertragspartner nicht persönlich vertrauen. Verträge benötigt man, wenn man sich nicht mehr verträgt. Und dennoch fallen ständig vertrauensselige Zeitgenossen auf vertrauenswürdige Geschäftemacher herein, die dann ihr Vermögen an der Haustür oder der Börse verspielen. Mein Bankberater sah doch so ehrlich aus.
Ökonomischer Sachverstand hätte da mehr geholfen. Die gesellschaftliche Erfindung vertrauensfreier Systeme, die durch ihre funktionale Perfektion überzeugen, greift ins Betriebsprogramm menschlichen Orientierungsvermögens. Je mehr das Vertrauen, das auf der sinnlichen Gewissheit der erlebten Situation basiert, ...
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Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 171
von Bernd Stegemann
«Oh les beaux jours», meint Winnie rückblickend und haut ihrem Willie aufs Hirn, weil der nicht antwortet, während sie selbst im Sand versinkt. Was Willie aber nicht weiter krumm nimmt.
20 Jahre später sind die versprochenen blühenden Landschaften des neuen Deutschland an manchem Sandhügel angelangt, und die unverbrüchliche Zuneigung zwischen Winnie-Ost und...
Christoph Schlingensief ist nicht Erster geworden, aber gewonnen hat er auf der ganzen Linie. Kaum ein Künstler hat dieses Jahr im Theater für so viel Diskussionsstoff gesorgt wie der Regisseur, der seine Krebserkrankung und die damit verbundenen Zweifel, Ängste und Hoffnungen offensiv künstlerisch und in der Öffentlichkeit thematisiert hat. Und keiner wurde in so...
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