System statt Vertrauen
Vertrauensverlust und Erschöpfung scheinen in einem gegenwärtig leicht nachvollziehbaren Zusammenhang zu stehen. Die wichtigste Voraussetzung für einen Burn-out sind mangelhafte menschliche Bindungen. Offensichtlich scheint sich der seelische Akku nur im spielerischen, angstfreien Miteinander einander nahestehender Menschen wieder aufzuladen.
Dieser psychischen Mechanik steht ein evolutionärer Mechanismus der Gesellschaft entgegen, der Vertrauen durch systemische Funktionen ersetzt hat.
Wer einen Vertrag abschließt, benötigt juristische Fachkenntnis, muss aber dem Vertragspartner nicht persönlich vertrauen. Verträge benötigt man, wenn man sich nicht mehr verträgt. Und dennoch fallen ständig vertrauensselige Zeitgenossen auf vertrauenswürdige Geschäftemacher herein, die dann ihr Vermögen an der Haustür oder der Börse verspielen. Mein Bankberater sah doch so ehrlich aus.
Ökonomischer Sachverstand hätte da mehr geholfen. Die gesellschaftliche Erfindung vertrauensfreier Systeme, die durch ihre funktionale Perfektion überzeugen, greift ins Betriebsprogramm menschlichen Orientierungsvermögens. Je mehr das Vertrauen, das auf der sinnlichen Gewissheit der erlebten Situation basiert, ...
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Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 171
von Bernd Stegemann
10. November
Leseprobe. Die Schauspieler, die Gosch um sich versammelt hat, haben alle schon mit ihm gearbeitet. Sie sind dabei gut gefahren. Jeder von ihnen weiß um seine Krankheit. Er beginnt mit der Bitte, man möge ihn nicht an den Schultern berühren. Die Metastasen seines Tumors haben sich unter die rechte Schulter geschoben. Angela Schanelec hat das Stück neu...
Es war auch noch ein besonders heißer Sommer, als Christoph Schlingensief im Jahr Null des neuen Jahrtausends vor der Wiener Staatsoper ein paar Baucontainer zusammenschob und «Ausländer raus» darauf schrieb. In den stickigen Blechhütten saßen keine Schauspieler, sondern Asylbewerber, die vom Publikum zurück ins Heim gewählt werden konnten, einer von ihnen sollte...
Ein letztes Mal noch wird Alexander Scheer auf den Brettern stehen, die für ihn nie die Welt bedeutet haben. Dann ist Schluss. Im Herbst gibt er sein Debüt an der Wiener Burg. Stefan Pucher wird Regie führen, Wolfram Koch den Antonius, Catrin Striebeck die Cleopatra spielen, und er selbst keinen Geringeren als Julius Cäsar. «Dann reicht’s wirklich!» Scheer weiß,...
