Sterne, hm!
Der Regisseur hatte so eine Ahnung. Als der Schauspieler auf der Probe schlapp machte, schickte er seinen quirligen Assistenten hinauf, der sich mit Verve in die Szene schmiss, und dem Regisseur stand der Mund offen. Der Regisseur war Gerd Heinz, und der gedrehte Assistent Hans Christian Rudolph, Spross einer gerühmten Theaterfamilie. Schluss mit Regie also. Dafür aber sorgte Heinz nun für des jungen Burschen Karriere, auf nach Darmstadt, und dann holte ihn Boy Gobert, der charismatische Chef, an das Thalia Theater in Hamburg.
Gobert, ein versierter Schauspieler der guten alten Art, sah in ihm einen «Vertreter des romantisch-romanischen Liebhabers …», und so spielte er auch: nett, hübsch, gut, freilich immer ein bisschen erfrischend schräg, dafür sorgte schon Heinz.
Er gab aber auch den Günstling Gaveston in Marlowes «Edward II.», mit Ingrid Andree als Anne und Peter Striebeck als schwulem König. Auf einem Foto sitzt in einem Haufen Dreck und Papier mitten auf der Bühne ein wuschelköpfiger, junger Mann, mit verhetzter Grimasse, eingefangen in zahlreichen Taschenlampenstrahlen. Das ist Gaveston, kurz vor Gefangenschaft und elendem Tod: Sie stülpten ihm eine Plastiktüte über den ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Nachruf, Seite 34
von Jürgen Flimm
Anton Tschechows «Onkel Wanja» und «Der Kirschgarten» erzählen bekanntlich von Idyllen, die keine mehr sind. Hoffnungen zerplatzen, aus Landgütern werden Grundstücke für Datschen. Von den kritischen Spitzen auf feudale Müßiggänger, aufkommenden Kapitalismus und die rücksichtslose Industriegesellschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts ist in Christopher Durangs...
Nein, «Pommerat» ist keine Champagnermarke. Es klingt nur so. Joël Pommerat kommt auch nicht aus Reims, sondern aus Roanne am Zentralmassiv, wo er 1963 geboren wurde. Sec und gelegentlich extra brut sind seine Stücke, und seit einer Weile ist Pommerat auch so was wie eine Marke im hexagonalen Theaterbetrieb. Seine Theatertexte und Inszenierungen zeigen sich...
Es ist ein triumphaler Auftritt. Als Günther Heeg, Gerda Baumbach und Patrick Primavesi, alle drei Professoren für Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig, die Bühne des Schauspielhauses betreten, begrüßt das vollbesetzte Haus die drei wie Popstars. Versammelt haben sich neben zahlreichen Studierenden auch die kulturelle Elite der Stadt. Auch zahlreiche...
