Kraut und Rüben
Wenn Du noch Augen hättest / Könntest Du durch meine Hände scheinen sehn / Die roten Fahnen über Rhein und Ruhr», heißt es gegen Ende von Heiner Müllers «Germania Tod in Berlin». Aber natürlich schien, schon als die Worte ausgesprochen wurden, nichts mehr so wirklich, auch nicht am Horizont, und gute zwanzig Jahre später war Schluss mit der Utopie. Die roten Fahnen verblassten.
Es ist eine Art späte poetische Gerechtigkeit, wenn die gebürtige Ost-Berlinerin Laura Laabs in ihrem Langfilmdebüt schon gleich zu Anfang die roten Fahnen wehen lässt.
Über dem bundesdeutschen Reichstag. Eine Künstlergruppe namens «Ästhetische Linke» hisst sie dort. Aber weil der Akt vom Staatsschutz als Terrorismus gedeutet wird, muss die Gruppe schleunigst Reißaus nehmen. Und eines der Mitglieder, Tine (Hannah Ehrlichmann), taucht in der Heimat unter: im mecklenburgischen Dorf Bad Kleinen. In Bad Kleinen sind alle Eingeborenen down. Man säuft, misst seine Kräfte im Tauziehen mit Treckern, Tines Vater schimpft über die Windrä -der, die die Gegend verschandeln und natürlich von Westfirmen gebaut wurden, und der bulligste der Junggesellen des Ortes trägt ein Hakenkreuz-Tattoo auf der Brust. «Unsere ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Christian Rakow
Eine erwachsene Person in Deutschland besitzt im Schnitt 87 Kleidungsstücke, Frauen 107, Männer 68. Weltweit werden pro Jahr 150 Milliarden Kleider produziert, ein großer Teil davon wird gar nie getragen. Eine Milliarde ungenutzte Kleidungsstücke lagern in deutschen Kleiderschränken, und das sind nur die, die auch mal gekauft wurden. Weltweit beträgt Textilabfall...
Wenn man in den Spielplancomputer die Begriffe «Volkstheater», «Wien», «Nestroy», «Politisches Theater» und «20. Jahrhundert» eingibt, kommt dabei Jura Soyfer (1912–1939) raus. Der linke Wiener Autor, Sohn russischer Juden, schrieb im austrofaschistischen Ständestaat der 1930er Jahre Szenen und Stücke für Kabarettbühnen. Um die Zensur auszutricksen, packte Soyfer...
Vor einem programmatischen Liebesbefehl schreckt man beim Neustart des Schauspiels Hannover doch noch knapp zurück: «Liebe will riskiert werden», heißt das Spielzeitmotto leicht angeschnörkelt, also Liebe ja schon, aber auch ein Wagnis, Gefühle können eben schiefgehen oder unliebsame Reaktionen auslösen. Wir sollen fühlen wollen, natürlich auf eigene Gefahr, aber...
