Stabile Harmonien

Utopische Spiele in Berlin: Maja Zade stellt an der Schaubühne den «status quo» der Genderverhältnisse auf den Kopf, an der Volksbühne lädt Susanne Kennedy in die Räume der «Coming Society»

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Sie hören nicht wirklich zu, während sie kaugummikauend und viel zu schnell pseudoteilnahmsvoll «ah… ah… ah…» sagen. Sie rücken beim Bewerbungsgespräch so dicht an ihr Gegenüber heran, bis sich die Knie berühren. Sie sitzen entspannt auf dem Sofa, die Beine fallen locker nach außen, und wollen einfach ein bisschen Spaß. Vor allem aber taxieren sie ständig die Männer in ihrer Umgebung, bewundernd, begierig, abschätzend, unverfroren – als gäbe es kein Zurück.

Und tatsächlich erwidern die Männer die Blicke der Frauen kaum – es sei denn, sie inszenieren sich gerade eigens dafür, mit hochgeschobenem T-Shirt, einem Tanz oder einem gefühlvollen Song.

Maja Zade, Chefdramaturgin an der Berliner Schaubühne, hat mit «status quo» ein Stück über einen jungen Mann – Florian – in drei Berufsanfängersituationen geschrieben. Florian heuert in einem Maklerbüro an, er spricht bei der Filialleiterin einer Drogerie vor, und er bewirbt sich als Schauspieler am Theater. Dabei trifft er überall auf Chefinnen, die ihn engagieren, ohne ihn sonderlich ernstzunehmen, ihn sofort zum «Flo» verniedlichen und auch sonst nach Kräften signalisieren, dass ihr Verhältnis zum neuen Mitarbeiter keine Grenzen kennen ...

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Theater heute März 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 23
von Eva Behrendt

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