Stabile Harmonien
Sie hören nicht wirklich zu, während sie kaugummikauend und viel zu schnell pseudoteilnahmsvoll «ah… ah… ah…» sagen. Sie rücken beim Bewerbungsgespräch so dicht an ihr Gegenüber heran, bis sich die Knie berühren. Sie sitzen entspannt auf dem Sofa, die Beine fallen locker nach außen, und wollen einfach ein bisschen Spaß. Vor allem aber taxieren sie ständig die Männer in ihrer Umgebung, bewundernd, begierig, abschätzend, unverfroren – als gäbe es kein Zurück.
Und tatsächlich erwidern die Männer die Blicke der Frauen kaum – es sei denn, sie inszenieren sich gerade eigens dafür, mit hochgeschobenem T-Shirt, einem Tanz oder einem gefühlvollen Song.
Maja Zade, Chefdramaturgin an der Berliner Schaubühne, hat mit «status quo» ein Stück über einen jungen Mann – Florian – in drei Berufsanfängersituationen geschrieben. Florian heuert in einem Maklerbüro an, er spricht bei der Filialleiterin einer Drogerie vor, und er bewirbt sich als Schauspieler am Theater. Dabei trifft er überall auf Chefinnen, die ihn engagieren, ohne ihn sonderlich ernstzunehmen, ihn sofort zum «Flo» verniedlichen und auch sonst nach Kräften signalisieren, dass ihr Verhältnis zum neuen Mitarbeiter keine Grenzen kennen ...
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Theater heute März 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 23
von Eva Behrendt
Es war der Skandal der Autorentheatertage 2018 am ansonsten so gediegenen Deutschen Theater: Sebastian Hartmanns «Uraufführung» von Björn SC Deigners dokumentarisch grundiertem Prostitutionsstück «In Stanniolpapier», bei der das Wort Uraufführung im Programmheft durchgestrichen wurde, die Jury sich offiziell distanzierte und die Presse sich aufspaltete in rabiate...
Vermutlich wäre er heute ein pickeliger Gamer, der seine Heldentaten bei «World of Warcraft» filmt, kommentiert und auf YouTube hochlädt. Auch Troll- und Piraten-FunPics auf Snapchat und Instagram könnten ihm bei der Verbreitung seiner fantastischen Hochstapler-Storys helfen. Keine Frage: Das Hobby des jungen Peer Gynt, sich eine aufregendere Identität auszumalen...
Das Stück, mit dem das Aktionstheater Ensemble auf den Rechtsruck in Österreich reagierte, handelt scheinbar gar nicht von Politik. Weder Kurz noch Strache werden namentlich angesprochen, stattdessen wird in «Swing: Dance to the right» (2017) über homosexuelle Pinguine schwadroniert, über schlechte Chinesenwitze gelacht («Was heißt Dieb auf Chinesisch? Lang Fing!»)...
