Sklaven der Familie

Brandon Jacobs-Jenkins «Appropriate – Was sich gehört» am Theater Freiburg

Theater heute - Logo

 

Es sirrt, es zirpt, und zwar ziemlich aggressiv. Zikaden, untrüglich. Das ikonische Insekt aus dem familiendramatischen Tennessee-Williams-Country. Geben nie Ruhe im Geflecht, bleiben aber unterschwellig. Handeln im Verborgenen, kriechen einem ins Gehirn. Und entpuppen sich als eher hartleibige Zeitgenossen.

Damit wäre schon viel gesagt über das Biotop – Typus: runtergerocktes Plantagenherrenhaus –, in welches Frank, genannt Franz, Lafayette und seine Verlobte River, genannt Baby, des Nachts ihre Rucksäcke werfen.

Klettern durchs Fenster wie die Vagabunden, vermutlich eine von Franks romantisch-kathartischen Ideen, und schrecken Rhys aus dem Schlaf, der vor dem Klammergriff seiner Mutter aufs Sofa geflüchtet ist.

Diese, genannt Toni, erscheint mit Taschenlampe auf der Treppe und sticht mit dem scharfen Strahl ihrer Missgunst umstandslos den Ankömmlingen ins Gesicht. Sie handhabt das eigentlich immer so. Merke: Das Gespensteraufkommen ist beträchtlich in diesem Haus. Da hat der US-Dramatiker Branden Jacobs-Jenkins vor nunmehr rund zehn Jahren in «Appropriate» ganze Arbeit geleistet.

Wenn jemand Personal und Handlungsmotive aus der Post-Sklavenhaltergesellschaft in den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2023
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Stephan Reuter

Weitere Beiträge
Showroom 7/23

DRESDEN, ALBERTINUM/ STÄDTISCHE GALERIE bis 13.8.,
«Ich halte doch nicht die Luft an.» Cornelia Schleime – frühe Werke / Cornelia Schleime «ich lass mich nicht spannen – lass mich nicht flechten»
Parallel stattfindende Ausstellungen zeigen Schleimes zwischen 1982 und 1984 produzierte experimentelle Super-8-Filme und ihre fotografisch festgehaltenen...

Kunst als Ausrede für alles

Es existieren ganze Bibliotheken mit schönen, klugen Sätzen darüber, was die darstellenden, performativen Künste uns sein könn(t)en, und es gibt weitere mit Analysen dazu, wie es unter den Bedingungen kapitalistischer Aneignung aller Werte zur Ware in der Regel bei den schönen, klugen Sätzen bleibt und auch diese Künste eben doch Zwecken dienen, für die die...

Hauptrolle Puppe

Die Grenzen sind fließend. Nichts ist im Figuren- und Objekttheater unmöglich, so ziemlich alles ist erlaubt. Wer meint, die gute (oder böse) alte Puppe sei gänzlich aus der Mode gekommen oder ins biedere Marionettentheater verbannt, der hat nie Karl Marx auf der Bühne gesehen, wie ihn Suse Wächter mit seinem eigenen Geist und den Widersprüchen seiner Theorien...