Sklaven der Familie
Es sirrt, es zirpt, und zwar ziemlich aggressiv. Zikaden, untrüglich. Das ikonische Insekt aus dem familiendramatischen Tennessee-Williams-Country. Geben nie Ruhe im Geflecht, bleiben aber unterschwellig. Handeln im Verborgenen, kriechen einem ins Gehirn. Und entpuppen sich als eher hartleibige Zeitgenossen.
Damit wäre schon viel gesagt über das Biotop – Typus: runtergerocktes Plantagenherrenhaus –, in welches Frank, genannt Franz, Lafayette und seine Verlobte River, genannt Baby, des Nachts ihre Rucksäcke werfen.
Klettern durchs Fenster wie die Vagabunden, vermutlich eine von Franks romantisch-kathartischen Ideen, und schrecken Rhys aus dem Schlaf, der vor dem Klammergriff seiner Mutter aufs Sofa geflüchtet ist.
Diese, genannt Toni, erscheint mit Taschenlampe auf der Treppe und sticht mit dem scharfen Strahl ihrer Missgunst umstandslos den Ankömmlingen ins Gesicht. Sie handhabt das eigentlich immer so. Merke: Das Gespensteraufkommen ist beträchtlich in diesem Haus. Da hat der US-Dramatiker Branden Jacobs-Jenkins vor nunmehr rund zehn Jahren in «Appropriate» ganze Arbeit geleistet.
Wenn jemand Personal und Handlungsmotive aus der Post-Sklavenhaltergesellschaft in den ...
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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Stephan Reuter
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