Hauptrolle Puppe
Die Grenzen sind fließend. Nichts ist im Figuren- und Objekttheater unmöglich, so ziemlich alles ist erlaubt. Wer meint, die gute (oder böse) alte Puppe sei gänzlich aus der Mode gekommen oder ins biedere Marionettentheater verbannt, der hat nie Karl Marx auf der Bühne gesehen, wie ihn Suse Wächter mit seinem eigenen Geist und den Widersprüchen seiner Theorien konfrontiert. Menschen führen ihn oder Brechts modellierten Doppelgänger-Körper durch eine Gespensterwelt des vergangenen Jahrhunderts: Das ist sinnlich, zärtlich und im Nachgang durchaus hoch gesellschaftskritisch.
Die Revolution zuckt noch, die Untoten leben!
Oder ist alles nur Einbildung? Kopfgeburt? Technisches Teufelswerk, das uns die Sinne verwirrt und vorgibt da zu sein, wo doch tatsächlich gar nichts ist? Nico and the Navigators verpassen uns AR-Brillen: Und auf einmal sehen wir im luftleeren Raum ein dreidimensionales Skelett herumschweben und mit zwei realen Menschen ein keckes Tänzchen wagen. Wir schauen und greifen ins Leere: Datenmassen verwirren die Sinne.
Zwischen diesen beiden Extremen, analoger Wirklichkeit und virtueller Erweiterung, bewegte sich also das 23. Internationale Figurentheaterfestival in ...
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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Bernd Noack
Da sitzt sie an der Rampe, die elegante Abendgesellschaft, die Damen in hellen, paillettenglitzernden Kleidern, die Herren im Frack – und erzählen von dieser Nacht, die alles ändern sollte. Einem von ihnen fallen derweil immer wieder die Augen zu, das Kinn auf die Brust, und dann kippt er auf den Schoß seines Sitznachbarn, nur um sich gleich wieder verdattert...
Wo Margit Carstensen war, war Theater interessant. In Bremen mit Fassbinder, in Bochum mit Leander Haußmann oder Dimiter Gotscheff, in Berlin mit Schlingensief oder Pollesch. Ein Nachruf
Spät entdeckt und eine kulturpolitische Bombe: Brechts Gespräch mit Carl Linfert vom April 1949. Eine Rekonstruktion
Felicia Zeller hat sich für ihr neues Stück unter anderem in...
Ein denkwürdiger Abend, wenn auch auf andere Weise als erwartet, eröffnete die 18. Ausgabe des Festivals Radikal jung im Münchner Volkstheater. Im vollbesetzten Großen Saal mit 700 Plätzen war man gespannt auf Peter Handkes jüngstes Alterswerk «Zwiegespräch» in der Burgtheater-Inszenierung von Rieke Süßkow und auch gleich gefesselt davon, wie Bühnenbildnerin Mirjam...
