Sie wollen nur spielen

Peter Spuhler will in seiner ersten Spielzeit in Karlsruhe von «Helden» erzählen und startet mit Kleists «Hermannsschlacht», Grabbes «Herzog Theodor von Gothland», Schillers «Fiesco» – und einem Sloterdijk-Abend über uns alle

Theater heute - Logo

Kann man euphorischer starten? «Das Theater ist der Ort, wo Wirklichkeit und Fiktion aufein­andertreffen, und es ist der Ort, wo beides seine Fassung verliert in einer heiligen Kollision. Das Theater ist der Berg Harmagedon!» So heißt es in Wolfram Lotz’ «Rede zum unmöglichen Theater», die heftig wettert gegen Theatermacher, die «die Fiktion auf dem Altartrara der Wirklichkeit» opfern.

Denn es «darf nicht die Wirklichkeit die Fiktion bestimmen, sondern die Fiktion muss die Wirklichkeit verändern!» Vorgetragen von der energischen Eva Derleder beim Theaterfest, zwei Wochen vor dem offiziellen Saisonstart, klang das wie ein anspornendes Versprechen für die Intendanz von Peter Spuhler am Badischen Staatstheater Karlsruhe.

Kann man desillusionierter starten? Die ersten gesprochenen Worte in der ersten Premiere fürs neue Repertoire lauten: «Ende. Es geht zu Ende.» Das ist freilich nicht nur ironisches Augenzwinkern: Mit dem Zitat aus Becketts «Endspiel» beginnt die Inszenierung, deren Titel als Slogan über den kommenden fünf Jahren von Spuhlers Intendanz stehen soll: «Du musst dein Leben ändern». Und um dieser Aufforderung nachzukommen, muss tatsächlich erst einmal ein Ende akzeptiert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Andreas Jüttner

Weitere Beiträge
Laues Lüftchen

Jean Genets Reaktion auf die Uraufführung 1957 am Londoner Arts Theatre legt nahe, dass Peter Zadek damals ziemlich prall und heftig inszeniert haben muss. Der Regisseur, so Genet, habe weder den Geist noch den Text des Stückes geachtet, und überdies erwecke die Inszenierung den Eindruck, er, also Genet, «sei ein Skandalma­cher und Pornograf». Donnerwetter, kann...

Das Schicksal des Klassikers

Wer inszeniert eigentlich noch Heiner Müller? Die Frage lässt sich erschreckend klar beantworten: Im April plant Nuran David Calis in Stuttgart «Der Auftrag», spielplanlogisch die Fortsetzung von «Dantons Tod» aus der letzten Spielzeit, und im November hatte Dimiter Got­scheff Premiere von «Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten» im Deutschen...

Auf der Suche nach der verlorenen Realität

Eine grüne Drehbühne, im Hintergrund eine runde Bildprojektion. Vorn ein Stehpult für die Hauptdarsteller: Erst spricht der Bundespräsident, dann die Kanzlerin und jetzt der Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Er dreht und wendet etwas linkisch das Manuskript, bevor er anfängt. Dafür gibt es vom gefüllten Auditorium des Badischen Staatstheaters Szenen­applaus....