Schwere und leichte Zeichenspiele
Ein sachliches Hoch auf die Faulheit! Müßiggang, erklärt SAP-Mitarbeiterin Corinna Bornhorst, sei beim global playenden Softwareentwickler längst zur Primärtugend geworden. Leistungsdenken und Effizienzzwänge hätten sich als Holzwege erwiesen, umso konsequenter bemühe sich das Unternehmen darum, das Leben der Mitarbeiter zu entschleunigen und die nur noch spärlichen Arbeitsstunden dem Dienst am Gemeinwohl zu verpflichten. Dazu wirft eine Zeichnerin mit flinker Hand Skizzen an die abwaschbare Wand: Das Analoge hat längst wieder Konjunktur im Digitalen.
Die größte Überraschung in Barbara Ehnes’ Mini-Performance im flauschigen Snoozleraum irgendwo in den endlosen Weiten des SAP-Stammsitzes Walldorf ist allerdings, dass es sich tatsächlich um Theater handelt. Ohne weiteres hätte ich der Seminarleiterin im rosa Kostümchen geglaubt, dass SAP schon heute – und nicht erst 2029, wie sich am Ende des Kurzvortrags herausstellt – auf die Verbindung von Kapitalismus und guten alten Hippiewerten setzt, so wie schon seit Jahren nicht nur Social-Media-Produkte, sondern auch die gleichsam zugehörigen Entspannungstechniken à la MBSR (Mindfulness-based Stress Reduction, kurz Achtsamkeitstraining) ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 11
von Eva Behrendt
Es verspricht kein besonders lustiger Abend zu werden. Bereits im Durchgang zur Hinterbühne werden die durch Fackeln illuminierten Besucher mit Geschrei und Gewimmer aus Lautsprechern begrüßt. Am Wegesrand backen Frauen Teigfladen, und das Ensemble wird mit Grabsteinen vorgestellt, zwischen denen aber auch die Namen toter Frauen von sozialen Protesten weltweit zu...
Hier entspannt Karl Kraus, der Autor der «Letzten Tage der Menschheit», die 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zahlreiche Premierentage erleben dürfen. In Salzburg inszeniert statt Matthias Hartmann, der im Januar überraschend seine letzten Tage als Burgtheaterdirektor erleben musste, Georg Schmiedleitner.
«Die lächerliche Finsternis» hat Wolfram...
Dass man seine eigene Beerdigung nicht miterleben muss, scheint angesichts Thomas Melles «Nicht nichts» ein großer Glücksfall. Der Trauergemeinschaft, die sich in Maria Viktoria Linkes Inszenierung am bühnenfüllenden Grab der Dramatikerin Carolyn Gratzky zusammengefunden hat, begegnet man lieber tot. Statt Trauer verbindet sie nichts als das Schwarz ihrer...
