Schwarz auf Schwarz
Schwarz auf Weiß, das kennen wir, das kann man getrost nach Hause tragen. Doch Schwarz auf Schwarz, da kann man nichts erkennen. Auf den schwarzen Eisernen Vorhang schreibt eine schwarz gekleidete Figur etwas in großen schwarzen Buchstaben. Nur als feuchtes Glitzern liest man den Satz: «Ich bin nicht, der ich bin.» Jago ist es, der diesen Selbstverneinungsspruch an den Anfang der Essener Inszenierung stellt. Jahweh, der jüdische Gott, stellt sich vor als «Ich bin, der ich bin».
Jago, der shakespearesche Mephisto, stellt sich vor als die Verneinung der Identität: das Teuflische in säkularisierter Form. Wenn er den Satz später im ersten Akt tatsächlich textgetreu auch spricht, fügt er gestische Anführungszeichen hinzu: «Ihr wisst schon, wer ich bin.» Naiv ist dieser Jago nicht.
Von dieser programmatisch verdunkelten, metaphysischen Anfangshöhe fällt die Inszenierung dann erst mal etwas unsanft in die Untiefen der Gewöhnlichkeit und der aktuellen Weltpolitik. Ein schwarzer Würfel steht im schwarzen Raum (Bühne Raimund Bauer), und aus der Tiefe der dunklen Bühne kommt langsam ein weißer Othello in den Vordergrund, mit einer Rose in der Hand wie einst Laurence Olivier in der berühmten ...
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