Schöne Bescherung
Eine schöne Bescherung ist das, Himmel noch mal!», stöhn-raunzt Thomas Thieme gleich zu Beginn, als würde er im Studio gerade begreifen, worauf er sich da eingelassen hat. Denn für die fünfeinhalb Stunden des wohlgemerkt nur ersten Teils von Cervantes’ parodistischem Ritterroman steht ihm noch einiges bevor als Ko-Erzähler, Sancho Pansa und treffend besetzter Gegenspieler von Rufus Beck.
Der spricht den von einem verarmten Adligen erfundenen Ritter mit der kunstvollen Eindringlichkeit eines Märchenerzählers, der vollkommen in dem aufgeht, was er sich als Berichtender gerade einbildet – und somit anscheinend selbst erlebt. Der Mann hat zu viele Ritterabenteuer gelesen, und nun quillt ihm die niedere Wirklichkeit zur vermeintlich höheren Realität.
Ohne Schnörkel in der Zeit
Mit dieser Besetzung (dazu Anna Thalbach) gelingt nicht nur eine extrem stimmfarbige Sicht auf dieses berühmte Paar der Weltliteratur, sondern in der Dramaturgie von Erzählen und Dialog auch ein kaum erwarteter Fluss zwischen konkret Episodischem und der barock merkwürdigen Erzählanlage samt zeilenlanger Kapitelüberschriften aus der Verdichtung dieses panoramatischen Werks. In der Neuübersetzung von Susanne ...
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Da sitzt man nun im eigentlich wegen fehlender Brandschutz-Einrichtungen geschlossenen New Yorker Goethe-Instituts-Gebäude an der Fifth Avenue auf einem dunkelgrünen Friseurstuhl, der wegen seiner ausgeleierten Federn dauernd nach hinten wegkippt, und während man verzweifelt um sein Sitzgleichgewicht kämpft, erklärt einem ein aufgekratzt freundlicher Mittfünfziger...
Der Dezember bringt erstaunliche Zeitreisen zurück ins 20. Jahrhundert, als die Welt noch übersichtlicher war; vor allem in Amerika, damals noch unbestrittene Nummer 1 als Weltwirtschaftsmacht. Mit allen dazugehörigen Klassenausdifferenzierungen, von den Wanderarbeitern in John Steinbecks Roman «Früchte des Zorns» (1939), den Armin Petras fürs Berliner Gorki...
Das Haus, von dem ich erzählen will (und in dem es in mehr als einer Hinsicht nicht mit rechten Dingen zugeht), habe ich im sehr frühen Morgengrauen des 1. August 2007 zum ersten Mal betreten. Tags zuvor war ich in der pannonischen Sommerhitze von Bratislava mit dem Taxi zum letzten Mal durch die Barockstadt zum Flughafen gefahren (meine Möbel, Bücher, Kleider,...
