Schnitt und Gegenschnitt
Es ist eine Familiengeschichte und zuallererst eine Liebesgeschichte. Und zwar eine von epischem Format. «Nie wäre ich auf die Idee gekommen, über meine Eltern zu schreiben, wenn sie nicht das Leben von großen Romanfiguren geführt hätten», konstatiert der Bremer Autor David Safier, der dieses Leben schließlich aufgeschrieben hat. «So lange wir leben» heißt sein 2023 erschienener Roman, in dem sich allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz zwei typische Lebensläufe des 20.
Jahrhunderts kreuzen: der von Joschi, einem gebürtigen Wiener Juden, der die Verhaftung seines Vaters miterleben musste, vor den Nazis flüchtete, in Israel-Palästina ein neues Leben versuchte und schließlich zur See fuhr. Und der von Waltraut, Tochter eines Bremer Werftarbeiters, junge Witwe mit Kind und kaum Geld. Anfang der 1960er Jahre begegnen sich die beiden in einer Bremer Eis -diele. Und stürzen sich bald in ein gemeinsames Leben voller Liebe, Mut und Heiterkeit, voller Krisen, Süchte und Schicksalsschläge.
Feinfühlig und klug hat John von Düffel aus dem knapp 500-seitigen Roman eine Spielfassung erstellt; Alize Zandwijk hat sie am Theater Bremen auf die große Bühne gebracht. Darin bebildert Zandwijk ...
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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Katrin Ullmann
Totreife ist ein Begriff aus der Landwirtschaft. Er bezeichnet Getreide, das so erntereif ist, dass die Körner sich von selbst lösen und die Halme absterben. Dass sich so auch die Familiengeschichten aus ihren verschlossenen Kapseln lösen mögen, hofft wohl Matilda. Sie ist siebzehn, auf dem Land aufgewachsen mit Vater Celio und – zumindest in seinen Erzählungen...
Um ein Haar wäre Uli Hoeneß Kulturstaatsminister geworden. Er hat schließlich auch eine Villa am Tegernsee, seine sportliche Leidenschaft gilt allerdings nicht dem Golf wie angeblich bei den Nachbarn Friedrich Merz und Wolfram Weimar, sondern bekanntlich dem Fußball. Aber Ulis Bälle waren wahrscheinlich ein paar Nummern zu groß für den Kanzler. Dabei hätten sie gut...
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