Rückzug ins Private
In meinem Hotel in Wuzhen sind nicht nur an den Aufzügen, sondern manchmal auch irgendwo entlang der Korridore junge Menschen positioniert, die den Hotelgästen bei Bedarf den Weg weisen. Das mag überfürsorglich klingen, wird aber durchaus in Anspruch genommen – auch von mir. In dem gigantischen Resort-Hotel mit seinen vier Türmen und unzähligen Querverbindungen kann man sich durchaus verlaufen. Wer den Weg vom Zimmer zum Pool zurücklegt, hat die obligatorischen 10.000 Schritte des Tages schon lange vor dem Frühstück erledigt.
Und beim Frühstück selbst kann man sich dann gleich wieder verlaufen.
Ich muss bei meiner Ankunft ein bisschen blinzeln, denn als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal in Wuzhen war, gab es solche Hotels dort noch nicht. Da wurde das etwa 120 Kilometer von Shanghai entfernt gelegene «Wasserdorf» noch aufwendig restauriert, man schlief in kleinen Herbergen entlang der Kanäle. Touristen kamen zwar auch damals schon, aber sie traten sich noch nicht auf die Füße, und es roch noch etwas mehr nach Schlick und Flussfisch (zumindest in meiner Erinnerung). Heute ist das Gelände sehr viel weitläufiger, und die Gäste werden in kleinen Golf-Carts herumchauffiert, die als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2026
Rubrik: International, Seite 48
von Ulrike Syha
Der Vorfall: Bei einer Jubiläumsfeier des Hamburger Schauspielhauses wurden Fotos historischer «Othello»-Inszenierungen von Peter Zadek und Stefan Pucher aus den Jahren 1976 und 2004 gezeigt, die Blackfacing verwendeten. Die Schauspielerin und Regisseurin Isabelle Redfern war anwesend und berichtete in den sozialen Medien davon, was zu öffentlicher Kritik an der...
München, 1945. Nach der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg wird Dr. Philipp Auerbach von den Amerikanern als «Staatskommissar für rassisch, politisch und religiös Verfolgte» eingesetzt. Der jüdische Unternehmer, der Auschwitz überlebt hatte, verhilft in dieser Position vielen Jüdinnen und Juden zur Ausreise nach Israel, hat aber eigentlich das Ziel,...
Eine «psychedelische Klamotte» nennt sich der Abend «Die Ritter des Mutterkorns» am Theater Basel. Das trifft es ziemlich gut. Denn Rocko Schamonis Regie und Jörg Pohls Text haben es vorrangig auf die Komik der Ereignisse um die LSD-Erfinder und Vermarkter in Basel abgesehen. Hier, in der Stadt der Pharmaziekonzerne, synthetisierte der Chemiker Albert Hofmann zum...
