Regensburg: Lebensinhalt Caritas
Wie geht man um mit einem, der nicht funktioniert in einer auf perfekte Funktion geeichten Gesellschaft? Wie viel Empathie investiert man, wenn am Ende die Rechnung mit den Gefühlen doch nicht aufgeht? «Von den Göttern, die in Erhabenheit sitzen, kommt die Gnade irgendwie grausam», weiß das Mädchen Tamsin am Ende mit Aischylos und bleibt allein zurück mit ihrem Bruder Dean, der nicht hineinpasst in eine Welt, in der es fatal ist, anders zu sein.
Die britische Autorin Katherine Soper hat mit «Wish List» ein kleines Kammerspiel über Zuneigung und Aufopferung, über einen möglichen Ausbruch und die Grenzen der Geduld geschrieben. Tamsin kümmert sich selbstvergessen um den psychisch labilen Dean, der nur zuhause hockt und sie mit seiner Zwanghaftigkeit an den Rand des Wahnsinns bringt. Aber sie kann nicht anders: Ihr Beschützerinstinkt und ihre bedingungslose Liebe sind die einzigen Stärken in ihr – und verbauen ihr freilich jeden normalen Weg in die Zukunft.
Während die Panikattacken des Bruders den Lebensrhythmus im Privaten zuverlässig bestimmen, ordnet sich die junge Frau in der Arbeitswelt einem rigorosen Zeit- und Leistungsplan unter. Bei einem Online-Versand verpackt sie mit ...
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Theater heute Mai 2019
Rubrik: Chronik, Seite 68
von Bernd Noack
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