Regensburg: Lebensinhalt Caritas
Wie geht man um mit einem, der nicht funktioniert in einer auf perfekte Funktion geeichten Gesellschaft? Wie viel Empathie investiert man, wenn am Ende die Rechnung mit den Gefühlen doch nicht aufgeht? «Von den Göttern, die in Erhabenheit sitzen, kommt die Gnade irgendwie grausam», weiß das Mädchen Tamsin am Ende mit Aischylos und bleibt allein zurück mit ihrem Bruder Dean, der nicht hineinpasst in eine Welt, in der es fatal ist, anders zu sein.
Die britische Autorin Katherine Soper hat mit «Wish List» ein kleines Kammerspiel über Zuneigung und Aufopferung, über einen möglichen Ausbruch und die Grenzen der Geduld geschrieben. Tamsin kümmert sich selbstvergessen um den psychisch labilen Dean, der nur zuhause hockt und sie mit seiner Zwanghaftigkeit an den Rand des Wahnsinns bringt. Aber sie kann nicht anders: Ihr Beschützerinstinkt und ihre bedingungslose Liebe sind die einzigen Stärken in ihr – und verbauen ihr freilich jeden normalen Weg in die Zukunft.
Während die Panikattacken des Bruders den Lebensrhythmus im Privaten zuverlässig bestimmen, ordnet sich die junge Frau in der Arbeitswelt einem rigorosen Zeit- und Leistungsplan unter. Bei einem Online-Versand verpackt sie mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2019
Rubrik: Chronik, Seite 68
von Bernd Noack
Wer das Glück hatte mit Geesche Wartemann zu arbeiten, der konnte ihre Begeisterungsfähigkeit erleben, ihre Leidenschaft für das Theater, für dessen Zuschauer, insbesondere wenn diese Zuschauer Kinder waren. Zu erleben war aber auch die Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre Überzeugungen vertrat. Sie redete nichts schön. Ohne Angst sich angreifbar zu machen, nahm sie...
Über zwei Etagen geht das neue Banner an der Halle der Leipziger Spinnerei: «Wir sind da!» Nach jahrelanger Suche nach geeigneten neuen Räumen und einer halben Spielzeit in verschiedenen Interims hat das Leipziger Freie-Szene-Zentrum Lofft nun endlich einen neuen Ort gefunden und befindet sich in illustrer Gesellschaft: Auf der Spinnerei gibt es nicht nur große...
Das Gesicht spärlich beleuchtet, steht Wojtek Ziemilski mit gesenktem Blick und liest rhythmisch-monoton vom Blatt. Nur vom Ellenbogen bis zum Scheitel im sonst dunklen Raum sichtbar, wird bald deutlich: Nicht Körperlichkeit oder Performerhaltung sind an diesem Abend die ästhetischen Mittel, mit denen die Lecture-Performance «Small Narrations» dem Publikum im...
