Projekt Alltagsbewältigung
Dieses Stück ist ein Glücksfall: ein Text, dessen Vielschichtigkeit auf sprichwörtlichen leisen Sohlen daherkommt, der gedankliche Schärfe mit einer fast fürsorglich zu nennenden Figurenführung vereint und der verschiedene lebensweltliche und gesellschaftliche Themen aufgreift und durchführt, ohne dass sich eines in den Vordergrund spielt oder der Autor der Versuchung der Thesenhaftigkeit erläge.
Aufgrund seiner episodischen Struktur ist Bernhard Studlars «Nacht ohne Sterne» entweder sehr knapp oder sehr ausführlich zusammenzufassen.
Es sei hier also möglichst wenig gespoilert: Die titelgebende Nacht bringt eine Reihe von Figuren zusammen und auseinander; zwei werden den nächsten Tag nicht mehr erleben, und für alle ist das Leben nicht mehr dasselbe. Da ist der Familienvater, der zum Messermörder wird, der Kredithai, der hinter seiner professionellen Brutalität ein liebendes Vaterherz verbirgt, eine Notärztin am Rande des Nervenzusammenbruchs, ein demaskierter Engel und der Tod höchstselbst in wechselnder Maskierung.
Kompositorisches Vorbild war offensichtlich Arthur Schnitzlers «Reigen». Wie Schnitzler entfaltet Studlar sein Gesellschaftspanorama durch eine Reihe von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 183
von Georg Mellert
«Heimat» ist ein trügerischer Begriff, er bringt Sehnsucht zum Ausdruck: nach Ruhe, Beständigkeit, Vertrautem, Einfachheit, Zugehörigkeit und tiefer Verwurzelung. Die Diagnose, dass ein wachsendes Bedürfnis nach alldem verständlich sei, weil wir in sich rasant ändernden Zeiten leben, die immer unüberschaubarer würden, ist allgegenwärtig. Gleichzeitig ruft der...
«Tartuffe», das fünfzehnte von dreiunddreißig überlieferten Dramen Molières, war jene Komödie, die unmittelbar nach ihrer Uraufführung 1664 mit dem Bann des Aufführungsverbots belegt wurde, die klerikale Kräfte veranlasste, den Dichter auf den Scheiterhaufen zu wünschen, und einen fünfjährigen erbitterten Kampf Molières um die Aufhebung des Verdikts durch den...
TH «Am Königsweg» ist, wenn wir richtig rechnen, Ihre erste Inszenierung eines Stücks von Elfriede Jelinek?
Falk Richter Nicht ganz. Ich habe vor zehn Jahren am Wiener Akademietheater «Ernst ist das Leben» inszeniert, eine Überschreibung von «Bunbury». Aber das war natürlich kein typischer Jelinek-Text. Da gab es noch Figuren, Dialoge, entliehen von Oscar Wilde. ...
