Oase der Zeitgeistlosen
Es gibt Orte, die immun sind gegen die gewöhnlichen Abnutzungserscheinungen der Zeit, einfach, weil sie all dem hektischen, übereifrigen und meist vergeblichen Gestrampel um irgendwelche Aktualitäten einfach eine grandiose innere Gelassenheit entgegensetzen. Weil sie Abstand nehmen von Moden, Maschen und Trends, die ebenso schnell an- wie abgesagt und wieder vergessen sind.
Das winzige Münchner Theater am Sozialamt ist so ein verwunschener Ort, über den Urs Widmer, der hier immerhin drei seiner Stücke uraufführen ließ, schreibt: «Als ich vor 27 Jahren zum ersten Mal im TamS war, dachte ich, es sei eine jahrhundertealte Institution.» Diesen Eindruck kann man bis heute nur bestätigen. Dabei ist das TamS natürlich nichts weniger als eine Institution im üblichen Sinne, kein ordentlicher öffentlich-rechtlicher Kulturbetrieb, sondern eine wunderbar verwegene Erfindung zweier Theaterverrückter, von denen der eine, Philip Arp, schon lange tot ist, während die andere, Anette Spola, gestärkt vom unverwüstlichen Geist des Mentors und Partners, den gemeinsamen Traum beharrlich weiterträumt, allen Anfechtungen, Widrigkeiten und ständigen Geldsorgen zum Trotz.
Das TamS ist eine Oase der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es muss eine unbezähmbare Sehnsucht nach Repräsentation gewesen sein, die den Regie führenden Intendanten Stephan Märki antrieb, Schillers Trauerspiel in ein (falsch verstandenes) Schleef-Korsett zu pressen. Mancher Verpflichtung war da ja gerecht zu werden: Weimar, die Klassikerstadt, Ort der Uraufführung, dazu die Dimension des Hauses, auch wenn das nicht...
Der Nitsch ist ja der bekannteste Maler Österreichs. Aber das ist ein ganz normaler und angenehmer Mensch, sehr gescheit, gebildet und gemütlich. Sehr gemütlich!» Der ältere Herr, der dies seinen deutschen Nebenstehern voller Bürgerstolz zu Protokoll gibt, ist zwar nicht unbedingt in Orgienstimmung, aber doch sichtlich in Festtagslaune und wild entschlossen, sich...
Woody, der Unglücksrabe» nannte der deutsche Verleiher Allens «Take the money and run», als er 1975 mit sechs Jahren Verspätung in die deutschen Kinos kam. In den Jahren zuvor war Woody Allen mit Filmen wie «Was Sie schon immer über Sex wissen wollten» und «Der Schläfer» als anarchischer Slapstick-Komödiant bekannt geworden, worin der Grund für die vorgebliche...
