Notorisch unerschrocken

nach Schiller «Die Räuber»

Theater heute - Logo

Peter Zadek hat 1966 im Bremer Theater «Die Räuber» inszeniert, Wilfried Minks hat ihm einen Comic-Strip-Guerillero mit Maschinenpistole im Stile Roy Liechtensteins als Bühnenbild gemalt, Bruno Ganz spielte die Kanaille Franz Moor – und Theaterdeutschland bebte fast so wie der Mannheimer Theatersaal bei der Uraufführung von Friedrich Schillers Stück am 13. Januar 1782. So steht es in den Theatergeschichtsbüchern, so raunen es die Altgewordenen unter den Theaterfreunden, die 1966 in Bremen dabei waren.



Der Regisseur Volker Lösch, ein notorisch unerschrockener Mann von 46 Jahren, gehörte sicher nicht dazu. Aber er zeigt mit seiner «Räuber»-Arbeit im Jahr 2010, dass zumindest er selber sich’s locker zutraut, es mit Zadeks legendärem Streich aufzunehmen. Er lässt die sehr jung besetzte Räuberbande seiner Inszenierung in roten Anzügen mit Maschinengewehren im Anschlag über die Bühne hüpfen und in einem rotierenden Tarnfarbentrichter tanzen wie Comicfiguren (Bühne Cary Gayler, Kostüme Gwendolyn Bahr) zu aggressiver Rockmusik. Und tatsächlich lässt sein Abend in den besten Momenten ahnen, welchen Eindruck es einst gemacht haben muss, dass junge Menschen im Bremer Theater einen Aufruhr ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2010
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Wolfgang Höbel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus der Karaokewelt

Wie sitzt man richtig? Irgendwie wenigstens ein bisschen anders als die anderen? Hektisch windet sich Ira auf ihrem Klapp­stuhl auf der Suche nach der richtigen falschen Positur, angemessen nonkonform. Ein aussichtsloses Unterfangen, dem sie auch ihre Stimme unterwirft: hoch oder doch lieber tiefergelegt? Prononcierte Endungen oder cooles Verschleifen? Oder doch...

Selbstschutzlämmer und Selbstbetrugsschweine

Sie stehen alle mit dem Rücken zur Wand. Auch wenn die wegbricht, tut sich für die vom Leben gelangweilte und vom Tod verschmähte Gesellschaft keine Weite und Perspektive auf: Hinter der Wand kommt noch eine Wand, und man weiß, das geht so weiter, ohne Ausweg. Manchmal kleben die Figuren förmlich an dem nur oberflächlich noblen Bretterverhau, als ob auch morsches...

Unwählbar bleiben

Unlängst war ich am Theater Essen während einer Performance des bildenden Künstlers Jonathan Meese sein Gesprächspartner. Von meiner Rolle als Moderator kann ich nur mit einem gewissen Schweigen in der Stimme sprechen, und doch eröffnete sich eine Form von anregendem Dialog, in dessen Zentrum das gemeinsame Hören und Deuten 

verschiedener Kapitel aus Homers...