NO FEAR!
Früher, in Hamburg, träumte ich von einem Theater auf der Spitze des Kamerunkais. Es war die architektonische Umsetzung einer Sequenz von Fragmenten aus Hölderlins «Titanen»-Entwurf (z.B. «Und in den Ocean schiffend / Die duftenden Inseln fragen / Wohin sie sind») und vereinte die räumlichen Möglichkeiten für ein Gastmahl (Пир королей) im Untergrund des Jungfrauenklosters, eine Zugfahrt durch die Ebene von Troja und einen erstarrten Ausblick vom Dach der Welt mit anschließendem ungeheuren Sturz, der unmerklich überginge in ein immer unmerklicheres Versinken.
In meinen monumentalhydraulischen Träumen konnte sich sowohl die gesamte Kamerunkaispitze um mindestens 25 Meter aus dem Boden erheben (um alles Untergründige emporzuliften), als auch das ganze Theater von einem geschlossenen Gebäude aus Glas in eine gigantische Freiluftfläche mutieren, mithilfe ebenso enormer wie graziler Seiten- und Rückwände, die je nach Akt und Bewusstseinszustand geräuschlos, aber gravitätisch im Hamburger Hafenbecken versinken konnten.
Kö-Pi-haft strömte und rann und perlte das Wasser dann von den Riesenscheiben, wenn diese sich schließlich langsam wieder aus dem Becken erhöben.
Die Besucher setzten in ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 76
von Matthias Pees
Am 11. September 1844 kommt ein deutscher Jude aus Rimpar, Bayern, in New York an – Dank sei Gott, Baruch ha Schem. 7.25 Uhr, notiert er in sein Notizbuch mit leicht zittriger Hand, bevor ihn der Einwanderungsbeamte anspricht. Name? Heyum Lehmann. Heyum? Hey ... Henry. «Ok, Henry Lehman: welcome in America. And good luck.» So betritt der erste Lehmann-Bruder als...
Das Bedürfnis, in einen Raum treten zu können, der einen umfasst und umschließt. Eine Art Krankenzimmer, in dem man seine Wunde offenbaren kann.
* Dieser Vorgang des «Wundezeigens» ist wie eine Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit, und dabei erfährt man gleichzeitig Heilung.
* Ein Raum, in dem ein Ausnahmezustand herrscht, ein Ausnahmeraum, in dem wir...
Im idealen Staat sollte bekanntlich kein Theater mehr stattfinden. Gilt das umgekehrt? Oder ist das nur ein Traum von marktradikalen Neoliberalen? Das Theater meiner Träume sieht dem abgerissenen Palast der Republik verdammt ähnlich, allerdings ist er nun zweigeteilt: Der eine Flügel ist überflutet, aus dem Wasser ragt eine Bergspitze, Besucher rudern in Booten...
