Nachruf: Die raue Stimme

Zum Tod des Autors und Übersetzers Werner Buhss

Theater heute - Logo

Seine Stimme klang wie von einer Arktis-Expedition, sein kehliges Gelächter wie ein Möwenschwarm. Sein ostinater Redefluss, den auch die Nachtank-Schlucke aus dem Weißweinglas, seine flüchtigen Züge an der Lulle nicht unterbrechen konnten, schien die ihm in die Wiege gelegte Daseins-Form zu sein. Nur wenige Zechgenossen hatten eine etwaige Ahnung davon, dass ein Mann wie Buhss, der so viel redete, auch noch einmal doppelt so viel schrieb: über 40 Hörspiele, zwei Dutzend Bühnenstücke und 30 Nachdichtungen von Werken großer Dramatiker wie Goldoni, Gogol, Shakespeare oder Tschechow.

Ein rundum fleißiger Mann.

Und das schien dem 1949 als Sohn eines Augenarztes in Magdeburg auf die Welt gekommenen, in Frankfurt/Oder aufgewachsenen und sich oft um Kopf und Kragen redenden Jungen durchaus nicht in die Wiege gelegt worden zu sein. Rausschmiss aus der FDJ, in der elften Klasse Rausschmiss aus der Erweiterten Oberschule. Schlosserlehre und Abi an der Abendschule. Glück gehabt bei einem Fernsehvolontariat mit einer Regieassistenz in Achim Hübners «Ich, Axel Cäsar Springer». Aber das 1968 folgende Studium an der Hochschule für Film und Fernsehkunst endet ohne Abschluss. Die schriftliche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2018
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Matthias Thalheim

Weitere Beiträge
Das Verbluten der Revolution

Ein feister Hedonist und ein räudiger Asket – nur selten gewinnen gesellschaftspolitische Positionen eine solch fleischliche Plastizität wie in diesem Stück, das in einer Irrenanstalt spielt und von der Französischen Revolution bereits in der Vergangenheitsform spricht, obwohl ihre Helden darin noch selbst um das eigene Erbe streiten. Als Peter Weiss Anfang der...

Bremen: Das Blut, das Salz, das Leben

«Die Sonne Satans schien vom Meer her, das man nicht sah, aber roch.» Das ist so ein Fritz-Kater-Satz von poetischer Wucht, ein Satz in den schon all das Grauen eingeschrieben ist, das das Mädchen (Mirjam Rast) erleiden wird, im Wäldchen, wo der Vergewaltiger (Manolo Bertling) wartet. «Die Sonne Satans», das ist der Hamster, den der Angreifer dem Mädchen schenkt,...

Oldenburg: Dystopie als Sexrevolte

Wer gegen die «Lügenpresse» wütet, der glaubt auch, dass Gender Mainstreaming ein perfides Programm zur Gleichschaltung des Begehrens sei und nennt politisch korrekte Sprachempfehlungen verächtlich «Neusprech». Pegida und AfD haben George Orwells 1949 erschienenen Roman «1984» genau gelesen, was absurderweise zur Folge hat, dass die totalitarismuskritische Dystopie...