Nach uns der Goldglanz

Simon Stone erzählt Tschechows «Drei Schwestern» neu in Basel, Christoph Marthaler steckt «Die Wehleider» am Hamburger Schauspielhaus in eine Turnhalle

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Verdienen wir überhaupt, glücklich zu sein?» Alexander, der wortkarge Typ vom Nachbargrundstück, hieß in Tschechows Originalversion der «Drei Schwestern» noch mit Nachnamen Werschinin, war russischer Offizier und bedauernswerter Gatte einer kranken Ehefrau, die er am Ende doch nicht mit den Kindern allein lassen wollte, obwohl ihm das Liebesglück für ein paar Mona­te in Gestalt der verheirateten Generalstochter Mascha vor der Nase baumelte.

Auch sein zeitgenössischer Wiedergänger Alexander hat in der «Drei Schwestern»-Fassung von Simon Stone das mögliche Glück erst vorsichtig bewun­dert, dann aber mutig angetestet, bevor er es mit der oben gestellten Frage zurückweist.

Als alle noch Kinder waren, haben die wohlhabenden Geschwister den Sohn des Automechanikers kaum beachtet – Jahre später können sie sich nicht mehr an ihn erinnern, als er mit blutender Hand plötzlich im Garten steht. Er sich aber sehr wohl an sie: Klar, die quirligen Teilzeitbewohner des exzentrischen Ferienhauses aus Glas und Holz – Lizzie Clachan hat die «frühe Hüttenarbeit» eines «berühmten Architekten» auf die Basler Drehbühne gebaut – dürften schon damals zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen sein, um ...

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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt

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