Nach Rückstand Spiel gedreht
Es ist nicht so, dass es in Nürnberg seit einer Ewigkeit kein interessantes Theater gegeben hätte.
Aber nach 18 Jahren, in denen Klaus Kusenberg als Schauspielchef wirkte, schlich sich das begründete Gefühl ein, hier sei irgendwie die Luft raus: das Ensemble eine eingespielte und zusammengeschworene Gemeinschaft sehr lange am selben Ort engagierter Künstler, denen man die Rollenwechsel kaum mehr anmerkte; der Spielplan solide und zunehmend bequem in altfränkischer Manier, ausgewogen gespickt mit behutsam entstaubten Klassikern, kalkulierten Kammer-Experimenten und fidelen Kassenschlagern, damit die Platz-Auslastung stimmt. Die auch immer stolz präsentiert wurde, wenn es um die Frage ging, ob das Nürnberger Staatsschauspiel nicht selig ruht.
Ein notwendiger Wechsel wurde ersehnt. Der neue Generalintendant Jens Daniel Herzog wird auch die Opernsparte leiten; ans Schauspiel (Kusenberg wechselte nach Regensburg) kam Jan Philipp Gloger, ein in Hamburg, Düsseldorf, München oder Wiesbaden beachteter freier, noch vergleichsweise junger Regisseur, der hier nun erstmals ein Haus führen will, das mit seinen drei Spielstätten nicht gerade zu den kleinsten im Land gehört. Dass er nur ein ...
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Theater heute November 2018
Rubrik: Start Nürnberg, Seite 29
von Bernd Noack
Von diesem Schatten geht nichts Gutes aus. Mondbleich starren die Schlosswächter aus ihrem Ausguckkasten heraus auf das Phantom, das über die nachtschwarze Zürcher Pfauenbühne schleicht. Polonius (Gottfried Breitfuß) steht dabei, Horatio auch (Edmund Telgenkämper), keinem will sich die Erscheinung erklären. Es ist der Geist der Endzeit, der hier umgeht. Das...
Da stehen sie nun, die beiden stolzen Königinnen, und belauern sich: Elisabeth von England zeigt ihrer Konkurrentin den Rücken, entsetzt über deren Jugend, deren Schönheit, deren Unbeugsamkeit auch nach Jahren im Kerker. Maria Stuart wendet all ihre Wort- und Tränenkraft auf gegen Elisabeths Zorn und Furcht, die ihr da von kalter Schulter entgegenströmen, streckt...
Nun hat auch Chemnitz seinen kompletten «Faust» beisammen. Schauspieldirektor Carsten Knödler eröffnet zur neuen Spielzeit mit dem zweiten Teil der Goetheschen Höllenfahrt nach dem ersten des letzten Jahres, und knüpft auf jeden Fall genau da an, wo er den Vorhang fallen ließ. Wieder gibt Philipp Otto den Gelehrten und Dirk Glodde das Teufelchen, während Marko...
