Nach Gutsherrenart
In der selbstreferenziellen Welt der Theaterschaffenden und Theaterkritiker – welche selbst mehr Teil denn kritische Begleiter des Betriebes sind – scheint es mir gelegentlich am Blick von draußen, am Perspektivwechsel zu fehlen. Die wichtigsten Menschen für Theater, so steht es jedenfalls in den schwurbeligen Intendantentexten, seien die Zuschauer, für die ja schließlich Theater gemacht werde. Abgesehen davon, dass mich da gelegentlich arge Zweifel beschleichen, ob Theater wirklich für Zuschauer gemacht wird, hat das Publikum keine Stimme.
Man stimmt mitunter mit den Füßen ab, Theaterabos werden gekündigt oder neu erworben. In Publikumsgesprächen geht es über schüchterne Fragen zwischen langen Blöcken Dramaturgen-Sprechs selten hinaus.
Ich möchte hier meinen Blickwinkel als Zuschauer und aus der Perspektive eines Verantwortlichen für ein mittelständisches Unternehmen darzulegen, auch und besonders auf das Theater als Betrieb, als Unternehmen und seine Unternehmenskultur.
Unternehmenskultur in deutschen Theatern scheint mir im Wesentlichen autoritäre Führung durch einen Intendanten zu sein, der für den Zeitraum seines Vertrages temporäre Unfehlbarkeit erhielt. Selbstverständlich ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Magazin: Leserbrief, Seite 71
von Christoph Eingartner
Putz blättert in ahornblattgroßen Placken von den Wänden, darunter frisst fröhlich der Schimmel. Den Fußboden verwandeln Staub, Dreck und die verstreuten Bestände einer umfangreichen Bücherwand in unwegsames Gelände. Die Glasscheiben der französischen Fenster und der Galerie im ersten Stock sind herausgebrochen, Kabel baumeln lianengleich von der Decke, von draußen...
So kennen die Berliner nach sechs Jahren Gorki Theater ihren nach Stuttgart scheidenden Intendanten Armin Petras, der ja auch noch Fritz Kater heißt: ein und dieselbe Person, auf strikte Trennung bedacht. Regisseur der eine, Autor der andere; Patchworker, Sampler aber alle beide, auf der Suche nach Gesellschaft und dem Wir in Geschichten von Einzelnen, sprunghaft...
Im vorgerückten Alter erinnert man sich gern an glorreiche (Schand-)Taten aus der Jugendzeit, das ist bei Menschen nicht anders als bei Theaterinstitutionen, und so begehen die Münchner Kammerspiele ihre Jubiläumssaison zum hundertjährigen Bestehen mit einer Reihe von Neuinszenierungen seinerzeit mehr oder weniger skandalumwitterter Werke, die das literarische...
