«Na Peter, stehste wieder?»
Wenn ein Mann von der Statur des Schauspielers Peter Kurth sich das offene Jeanshemd unter der Brust zusammenknotet, kann das eigentlich nur zweierlei bedeuten. Entweder zeugt diese Maßnahme, die seinen imposanten Bauch effektvoll in Szene setzt, von penetrantem Selbstbewusstsein und virilem Zeigestolz: «Hier, seht her, alles meins!» Oder aber sie signalisiert: «Ey, mir egal, eh wurscht.» Viel spricht dafür, dass Iwan Petrowitsch Woinizki, genannt Wanja, dieser zweiten Möglichkeit gemäß handelt, um wenigstens vorläufig bei der ersten zu landen.
Die junge Elena, die er liebt, ist schließlich nicht nur mit seinem Schwager verheiratet, dem er sich freiwillig sein halbes Leben lang unterworfen hat – sie hat sich auch gerade aus seiner verzweifelten Umarmung entwunden und giftet ihm nun empört hinterher: «Sie sind ja betrunken!» und «Ekelhaft!!»
Es gibt aber noch eine dritte Möglichkeit in Robert Borgmanns spröder, zum Theatertreffen eingeladener Tschechow-Inszenierung, und die lautet: So ein Bauch kann einfach gute Laune machen. Sobald Wanja nämlich seine Wampe nackt zur Schau trägt, ertappt er sich plötzlich: «Oups, ich lache ja.» Er fängt an zu pfeifen, lässt einen Phantomvogel auf ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Die Spieler des Jahres, Seite 144
von Eva Behrendt
Tja.
Hier bin ich.
Ich hab’s geschafft: Ich habe überlebt. Ich spreche. Ich bewege mich. Es ist großartig.
Es ist großartig zu sprechen.
Ich bin nicht mitfühlend.
Bringen wir es hinter uns: Legen wir es vor uns auf den Tisch – wie die Autoschlüssel. Nicht mitfühlend.
Aber Moment: Welche Autoschlüssel?
Welcher Tisch? Gute Frage.
Ich möchte Ihnen danken.
Ich möchte Ihnen...
Zuerst stellt sich für mich sogleich die Frage, wie der Ort für dieses Traumangebot aussieht. Wo ich bin, ganz real.
Und da tauchen auch schon drei ehrwürdige Hallen auf. Ein Park mit alten Bäumen, einen Biergarten hat es, unmittelbar an einem breiten, langsamen Fluss. Das beeindruckt mich besonders. Ein unbestechlicher Begleiter, Einmitter, Erregungshemmer, der...
Am 11. September 1844 kommt ein deutscher Jude aus Rimpar, Bayern, in New York an – Dank sei Gott, Baruch ha Schem. 7.25 Uhr, notiert er in sein Notizbuch mit leicht zittriger Hand, bevor ihn der Einwanderungsbeamte anspricht. Name? Heyum Lehmann. Heyum? Hey ... Henry. «Ok, Henry Lehman: welcome in America. And good luck.» So betritt der erste Lehmann-Bruder als...
