München: Versuche über Versuche

Pierre Carlet de Marivaux «Der Streit», Daniel Kehlmann «Heilig Abend» in München: Cuvilliés- und Residenztheater

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Manchmal passt alles fast zu gut zusammen: ein rotgoldener Logentraum von einem Rokoko-Theater, ein Stück aus eben jener Epoche, in dem es um ein maliziöses Menschenexperiment über die geschlechtsspezifische Schuldverteilung am Sündenfall der Untreue geht, und ein begnadeter Puppenspieler unserer Tage. Der österreichi­sche Tausendsassa Nikolaus Habjan hat im Cuvilliés, dem architektonischen Schmuckkästlein des Münchner Residenztheaters, «Der Streit» von Pierre Carlet de Marivaux inszeniert und sich dabei augenscheinlich Hals über Kopf in die galante Künstlichkeit des 18.

Jahrhunderts verliebt.

Zu Beginn müssen sich alle Besitzer von Parkettplätzen den Hals verrenken, um Hermiane, die grandios verhutzelte, klappmäulige Geliebte des Prinzen in der Königsloge zu bewundern. Geführt von ihrem jugendlichen Schöpfer Habjan vertritt sie im Streit mit ihrem Gefährten vorn auf der Bühne die moderne These, die angebliche Falschheit der Frauen sei doch vor allem als Resultat ihrer gesellschaftsbedingten Abhängigkeit zu sehen. Dass Oliver Nägele die lebensgroße, aber beinlose Prinzenpuppe bei diesem Disput quasi auf dem Arm hält, tut deren Autorität keinen Abbruch. Habjans Kreaturen sind ...

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Theater heute März 2018
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Silvia Stammen

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