Gunther Eckes (Devin), Christian Erdt (Rashaad), Bijan Zamani (Lorin) und Cynthia Micas (Jenna); Foto: Adrienne Meister/Residenztheater München
München: Schüsse aus dem Hamsterrad
Neun Jahre arbeitet Gloria schon in der Schlusskorrektur eines New Yorker Lifestyle-Magazins, die Bezahlung ist mies, die Inhalte belanglos, das Schlimmste aber sind die Kollegen, die mit zynischer Gehässigkeit und nullkommanull Solidarität wie die Hyänen übereinander herfallen, sobald einer die kleinste Schwäche zeigt. Wer keinen karriererelevanten Sozialwert hat, wird von der Meute der Assistenten und Praktikanten, die noch an ihren Aufstieg glauben, erbarmungslos geschnitten und gemobbt.
Branden Jacobs-Jenkins, Jahrgang 1984 und derzeit heiße Ware unter den amerikanischen Nachwuchsdramatikern, hat selbst ein paar Jahre in der Redaktion des «New Yorker» gejobbt und weiß vermutlich, wovon er spricht – was ihn nicht davon abhält, vor allem Klischees auf die Spitze zu treiben.
Zu Glorias House-Warming-Party sind von den 50 eingeladenen Mitarbeitern gerade mal drei erschienen, darunter Dean, der seit Jahren nicht über seinen Assistentenjob bei der unnahbaren Kulturchefin Nan hinauskommt (immerhin das Gendermainstreaming scheint hier funktioniert zu haben). Am Morgen danach geht Gloria ein letztes Mal in die Redaktion, erschießt zehn ihrer Kollegen und zuletzt sich selbst – so weit ...
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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Silvia Stammen
Jakob Nolte schreibt mit Michel Decar Theaterstücke und ist noch keine 30. Zuletzt haben Nolte Decar, wie sie sich als Autorenduo nennen, für das Schauspielhaus Zürich «Der neue Himmel» geschrieben, eine eher unlustige Terrorgroteske, die böse verrissen wurde. Netter betrachtet: Nolte Decar bedienen nicht das Bild der fitten Realismusschreiber, die wichtige Themen...
Das Floß der Medusa ist eine acht mal 20 Meter große Projektionsfläche, auf der die ganze Menschheit Platz hat. Als das Floß am 18. Juli 1816 vor Westafrika im Atlantik entdeckt wurde, befanden sich darauf fünfzehn Schiffbrüchige, die dreizehn Tage lang mit viel zu wenig Wasser und Proviant auf offener See überlebt hatten. Noch schauerlicher als diese Vorstellung...
Statischer Tanz im Glaslabyrinth, voneinander isolierte Individuen, die sich zur Schau stellen, eine Reihe maskierter Tänzer, eine bunte Spaßgesellschaft, in der jeder gesehen werden will. Alles ist durchsichtig, aber gerade dadurch ge-trennt. Bettina Sommers Bühne wirkt zunächst wie eine gläserne Schaubude mit sechs oder zwölf Zellen. So optisch opulent, abstrakt...
