München: Residenztheater (Cuvilliés-Theater)
Es klingt wie eine Beschwörung: «Was sie sagen, ist nicht wahr», heißt es in der gewohnt ausführlichen Regieanweisung zu Franz Xaver Kroetz’ Kinderschänder-Drama «Du hast gewackelt. Requiem für ein liebes Kind». Der Autor warnt vor der Suggestivkraft der eigenen Worte. Sein Drama ist komponiert als bizarre, mehrstimmige Rechtfertigungslitanei. Zu Wort kommen allein die Täter, die sich in billigen, ja widerwärtigen Erklärungen für ein nicht erklärbares Verbrechen versteigen. Das Opfer des organisierten Missbrauchs, ein fünfjähriger Junge, ist tot.
Das Stück entstand unter dem Eindruck des realen «Falls Pascal». Ein kleiner Junge aus Saarbrücken war verschwunden, Zeugenaussagen deuteten darauf hin, dass er in eine Spelunke entführt, mehrfach vergewaltigt und ermordet worden war. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter und Täterinnen endete nach dem Widerruf belastender Aussagen 2007 mit Freisprüchen. Kroetz hatte sein «Requiem» bereits 2003 fertiggestellt. Seine fiktiven Täterfiguren sprechen dennoch, als würden sie Verteidigungsreden aufsagen, sie stricken an ihrer eigenen wahnhaften Version der Wirklichkeit. Bis zur Unerträglichkeit und darüber hinaus walzt Kroetz ein Selbstbild ...
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Theater heute Mai 2012
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Cornelia Fiedler
Zuletzt arbeitete er (ein skrupulöser, ungemein selbstkritischer Autor) an einem Essay, einem Buch über Shakespeares Shylock, wollte, sagte er, den Blick aber auch auf die Titelfigur, Antonio, den Kaufmann von Venedig, lenken: den liebenden Homosexuellen. Denn Ivan Nagel war beides, ein ungläubiger Jude und homosexuell.
Geboren am 28. Juni 1931 in Budapest,...
Aufführungen
In Friedenszeiten entwickelt sich das Kasino am Schwarzenbergplatz, seiner Historie durchaus gemäß, zum Geschichts-, Kriegs- und Gewaltforschungsschauplatz der Wiener Burg. Der Flame Jan Lauwers inszeniert dort Albert Camus’ «Caligula», und Intendant Matthias Hartmann fügt seinen «Krieg und Frieden»-Studien «Das trojanische Pferd» in einer Fassung von...
Aachen, Grenzlandtheater
24. Slade, Mörderische Phantasien
R. Frank Voß
Aachen, Theater
18. Zeh, Spieltrieb
R. Anne Lenk
Aalen, Theater der Stadt
5. nach Beaumont, Die Schöne und das Biest
R. Marguerite Windblut
12. Shakespeare, Othello
R. Katharina Kreuzhage
22. nach Lestrade/Docampo,
Die große Wörterfabrik
R. Aline Bosselmann
Annaberg, Eduard-
von-Winterstein-Theater
6....
