München: Residenztheater (Cuvilliés-Theater)

Das Wort den Tätern. Franz Xaver Kroetz «Du hast gewackelt. Requiem für ein liebes Kind» (U)

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Es klingt wie eine Beschwörung: «Was sie sagen, ist nicht wahr», heißt es in der gewohnt ausführlichen Regieanweisung zu Franz Xaver Kroetz’ Kinderschänder-Drama «Du hast gewackelt. Requiem für ein liebes Kind». Der Autor warnt vor der Suggestivkraft der eigenen Worte. Sein Drama ist komponiert als bizarre, mehrstimmige Rechtfertigungslitanei. Zu Wort kommen allein die Täter, die sich in billigen, ja widerwärtigen Erklärungen für ein nicht erklärbares Verbrechen versteigen. Das Opfer des organisierten Missbrauchs, ein fünfjähriger Junge, ist tot.

Das Stück entstand unter dem Eindruck des realen «Falls Pascal». Ein kleiner Junge aus Saarbrücken war verschwunden, Zeugenaussagen deuteten darauf hin, dass er in eine Spelunke entführt, mehrfach vergewaltigt und ermordet worden war. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter und Täterinnen endete nach dem Widerruf belastender Aussagen 2007 mit Freisprüchen. Kroetz hatte sein «Requiem» bereits 2003 fertiggestellt. Seine fiktiven Täterfiguren sprechen dennoch, als würden sie Verteidigungsreden auf­sagen, sie stricken an ihrer eigenen wahnhaften Version der Wirklichkeit. Bis zur Unerträglichkeit und darüber hinaus walzt Kroetz ein Selbstbild ...

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Theater heute Mai 2012
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Cornelia Fiedler

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