Müll tanzt
Die Situation ist kurios: Links auf dem Screen erkennt man einen zuckenden Kassenbon, eine flatternde Folie. Und rechts liegt ein Tänzer, krümmt den Rücken, streckt Arme und Beine in seltsame Winkel, um die flatternde Choreografie des Objekts nachzuahmen. Die auf den ersten Blick simple Idee birgt eine vielschichtige Reflexion über Bewegung und Körper, über Wahrnehmung und Umwelt.
«Littered Mvmnts», die Performance-Serie des japanisch-amerikanischen Tänzers und Choreografen Shoji Yamasaki, begann 2020 als Lockdown-Entdeckung und ging schnell viral auf TikTok und Instagram: Yamasakis Videos mit Millionen Aufrufen zeigen seit nunmehr sechs Jahren Splitscreens, in denen Abfall und Mensch synchron «tanzen». Tanzen? Ein Körper, der sich wie eine zerdrückte Plastikflasche im Wind bewegt, unterläuft jede Vorstellung von Eleganz und Coolness. Und gerade hier liegt die Pointe der Serie. Das Spiel mit dem Begriff von Choreografie verschiebt ihn radikal: Nicht ein Mensch erfindet die Bewegung, ein Fundstück gibt sie vor.
In dieser Umkehrung steckt eine poetische und zugleich politische Haltung. Denn die Mikro-Gesten richten die Aufmerksamkeit auf ein riesiges Problem: Müll. Wir produzieren ...
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Tanz Mai 2026
Rubrik: Ideen, Seite 68
von Marina Dafova
LUCINDA CHILDS
In den vergangenen Jahren ließ sich ein verstärktes Interesse an Lucinda Childs beobachten, zudem entwickelte die heute 85-jährige Pionierin des postmodernen Tanzes zuletzt auch wieder neue Stücke. Die Ausstellung «Dancing Page in Hand» dagegen konzentriert sich auf Childs’ Frühwerk aus den 1960ern und 70ern, in dem die Künstlerin Raum als...
Der schöne Schein des klassischen Balletts wertete weibliche Jugend traditionell höher als fast alles andere: Jenseits der 40 war in der Regel sowieso Schluss mit topathletisch faltenfreier Performance. Ausnahmen wie Margot Fonteyn oder Marcia Haydée, die zwei Dekaden länger durchhielten, bestätigten die Regel. Die Pariser Oper schickt Stars wie Sternchen (m/w/d)...
Omelas ist das Paradies. Immer gutes Wetter, immer schöne Musik, überall schicke Häuser. Vor allem aber: keine Arbeitsmühen. Zu beschwingten Klängen tanzen die Bewohner*innen durch die Zukunftsstadt, ein Leben in Harmonie und Unaufgeregtheit. Das freilich seinen Preis hat: Einer muss aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden, damit die anderen ihre Ruhe haben....
