Mit oder ohne Zwiebel?
«Ibsen? Wer ist dieser Gibson?» Der ältere Herr mit der schön gekämmten Silbertolle wirkt irritiert. Immer wieder erinnern ihn die beiden berufsaufgeregten jungen Männer mit dem Kamerateam daran, dass sie ja gemeinsam ein Theaterstück proben «Peer Gynt» von Ibsen. Aber Herbert, so heißt der ältere Herr, ist dement. Ob er zwei, fünf, sieben oder elf Kinder hat, ob die Mauer noch steht oder nicht und ob er früher Bäcker war oder seine Frau doch ein Mann: Die Angaben darüber sind schwer im Schwanken begriffen.
Markus Schäfer und Markus Wenzel, die sich als Künstlergruppe Markus & Markus nennen, haben nach «John Gabriel Borkman» (mit einem ehemaligen Anlageberater) und «Gespenster» (mit einer Sterbehilfepatientin) auch für den dritten Teil ihrer Ibsen-Trilogie einen «echten Menschen» als Protagonisten in einem Berliner Pflegeheim gecastet. «Uns war sofort klar: Peer Gynt ist dement. Er ist ein Lügenbold und lebt in einem Fantasiegespinst», erklärt der eine Markus nach einer knappen halben Stunde das Konzept der Performance, und der andere ergänzt: «Aber wie soll man beweisen, man selbst zu sein, wenn sich dieses Selbst doch immer weiter auflöst?» Der Plan des Duos lautet, den Mann ...
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Theater heute November 2015
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Eva Behrendt
Über die zehn Gebote ist im Grunde alles gesagt, seit Moses mit den Tontafeln vom Sinai stieg. «Du sollst nicht töten.» Klar formuliert, versteht jeder. «Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.» Auch klar formuliert. Aber die Menschen halten sich nicht dran. Daher ist eben doch nicht alles gesagt. Was das Schauspielhaus Zürich zu einem Saisonstart mit...
Hin und wieder kommt es vor, dass in alten Bibliotheken Partituren barocker Komponisten oder auf Dachböden Gemälde alter Meister gefunden werden. So etwas Ähnliches ist jetzt mit einem Stück des am 26. August 2005 verstorbenen Grazer Dramatikers Wolfgang Bauer geschehen. Bei den Vorbereitungen für eine Ausstellung über den steirischen Komponisten Franz Koringer...
Empathie kann so ein Quälkram sein, vor allem, wenn Künstler sie für andere inszenieren. Da gibt es zum Beispiel eine Unterführung am Ende der Münchner Maximilianstraße, die ihrer ursprünglichen Funktion nach so sinnlos ist, dass man sie bereits kurz nach Fertigstellung 1969 der Kunst übergab. Jeder normale Fußgänger geht hier nämlich oberirdisch über den...
