Mit oder ohne Zwiebel?

Markus & Markus «Ibsen: Peer Gynt», Ibsen «Peer Gynt» in Berlin Sophiensaele / Deutsches Theater (Kammerspiele)

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«Ibsen? Wer ist dieser Gibson?» Der ältere Herr mit der schön gekämmten Silbertolle wirkt irritiert. Immer wieder erinnern ihn die beiden berufsaufgeregten jungen Männer mit dem Kamerateam daran, dass sie ja gemeinsam ein Theaterstück proben «Peer Gynt» von Ibsen. Aber Herbert, so heißt der ältere Herr, ist dement. Ob er zwei, fünf, sieben oder elf Kinder hat, ob die Mauer noch steht oder nicht und ob er früher Bäcker war oder seine Frau doch ein Mann: Die Angaben darüber sind schwer im Schwanken begriffen.

Markus Schäfer und Markus Wenzel, die sich als Künstlergruppe Markus & Markus nennen, haben nach «John Gabriel Borkman» (mit einem ehemaligen Anlageberater) und «Gespenster» (mit einer Sterbehilfepatientin) auch für den dritten Teil ihrer Ibsen-Trilogie einen «echten Menschen» als Protagonisten in einem Berliner Pflegeheim gecastet. «Uns war sofort klar: Peer Gynt ist dement. Er ist ein Lügenbold und lebt in einem Fantasiegespinst», erklärt der eine Markus nach einer knappen halben Stunde das Konzept der Performance, und der andere ergänzt: «Aber wie soll man beweisen, man selbst zu sein, wenn sich dieses Selbst doch immer weiter auflöst?» Der Plan des Duos lautet, den Mann ...

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Theater heute November 2015
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Eva Behrendt

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