Du sollst Dein Leben nicht vergeuden

Das Schauspiel Zürich startet mit «Die Zehn Gebote», Schillers «Johanna von Orléans» und Ibsens «Volksfeind»

Theater heute - Logo

Über die zehn Gebote ist im Grunde alles gesagt, seit Moses mit den Tontafeln vom Sinai stieg. «Du sollst nicht töten.» Klar formuliert, versteht jeder. «Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.» Auch klar formuliert. Aber die Menschen halten sich nicht dran. Daher ist eben doch nicht alles gesagt. Was das Schauspielhaus Zürich zu einem Saisonstart mit Geschichten animiert, in denen sich Menschen über ethische Grundregeln hinwegsetzen: In Ibsens «Volksfeind» sind das die Mediendemokraten, in Schillers «Jungfrau von Orleans» eine Gotteskriegerin und ihre Hintermänner.

Und gegen «Die zehn Gebote» verstoßen wir alle.

Der polnische Filmemacher Krzysztof Kieslowski hat 1988 einen Zyklus mit zehn einstündigen Fernsehspielen gedreht. Das war alles andere als eine Bibelreihe. Kieslowski bildete bleierne Moderne ab, er fing die Endzeitstimmung ein, die damals im Ostblock herrschte. Diesen legendären «Dekalog» hat sich das Schauspielhaus Zürich für einen ehrgeizigen Theaterparcours angeeignet. Regisseurin Karin Henkel und Dramaturgin Stefanie Carp zurren die Handlungsstränge kreuz und quer durch die riesige Zürcher Schiffbauhalle. Das Publikum ist in vier Gruppen aufgeteilt, man folgt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Stephan Reuter

Weitere Beiträge
Die Schutzbefohlenen

Die Festung Europa bröckelt, aber sie hält stand. In Ungarn stehen Stacheldrahtzäune, Kroatien macht die Grenzen dicht, der Zugverkehr zwischen Wien und München ist immer wieder unterbrochen, und die deutschen Asylgesetze wurden ruckzuck verschärft. Elfriede Jelinek, die mit «Die Schutzbefohlenen» das europäische Drama beschrieben hat, bringt ihren Text mit einem...

Mutter Deutschland

Da stehen sie auf der Bühne. 23 Personen, davon sechs Schauspieler, der Rest Laien ­– und singen. Es ist eine Art chorischer Sprechgesang, den Marta Górnicka mit ihrem Ensemble eingeübt hat. Wie in ihrem festivalerprobten polnischen Frauenchor «Magnificat» oder «Requiemmaszyna» (s. TH 2014/10, S. 21) sind die Töne und Nuancen verwoben zu einem Klangteppich. Und wie...

Verstören, beschimpfen, umarmen

Trendbewusste Theatermacher pflegen zurzeit ja eher ein angespanntes Verhältnis zu ihrem Publikum. Abende, an denen Kulturaktivisten (wie neulich das Zentrum für politische Schönheit in Dortmund) exklusiv das Auditorium herunterputzen, weil es sich lieber in Yogastudios herumtreibe statt in Damaskus gleichermaßen aktiv gegen den IS und den syrischen Diktator Assad...