Mit der Gabel geschöpft

Sigrid Behrens «Fallen»

Theater heute - Logo

Die Familie als Keimzelle der Gesell­schaft – darin schwingt die von Familienpolitikern ungern beachtete Bedeutung mit, dass diese Form des Zusammenlebens tatsächlich zu einer Zelle werden kann, in der man sich Keime holt. Manche davon wird man dann sein Leben lang nicht los. Zum Beispiel die Rollenverteilung: Vater, Mutter, Kind. Wer eins davon mal war (zumindest letzteres lässt sich nicht vermeiden), wird es immer sein. Da es in Sigrid Behrens’ Stück «Fallen» um diese Rollenbilder geht, heißt das Personal einfach «Vater», «Mutter» und «Kind».

Die Szenen sind laut Autorin «in sieben Bilder aufgeteilt, die von einer flexiblen Anzahl von Darstellern umzusetzen wären». Wobei die «Bilder» hier vor allem sprachlicher Natur sind: Die Bühnenanweisung begnügt sich mit dem Versammeln aller Betei­ligten an einem Tisch zum gemeinsamen Essen als familiärer Ur-Szene mit grundlegenden Konflikten: Wer versorgt hier wen, wer leistet was und wer schmarotzt, wer fügt sich in seine Rolle und wer rebelliert?
Inhaltlich sind die Antworten we­nig überraschend: Mutter kocht (in der Küche und deshalb vor Wut), Vater motzt, Kind trotzt. Immerhin schlägt Behrens aus dieser Minimalsituation sprachlichen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2006
Rubrik: Chronik, Seite 42
von Andreas Jüttner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Herzerwärmend

Für kaum einen zeitgenössischen Romanautor hat sich das deutschsprachige Theater in den letzten Jahren so sehr interessiert wie für Michel Houellebecq. Nicht nur, dass eines der spektakulärsten Theatereignisse der Saison 2000/1 der nicht stattfindende Auftritt des soziophoben Kettenrauchers vor der vollbesetzten Berliner Volksbüh­ne war. Mit einer Mischung aus...

Die klärende Stimme

Zuletzt habe ich ihn vor einem guten Jahr gesehen, als fanatisch intoleranten Patriarchen in Lessings «Nathan der Weise» am Schauspiel Frankfurt. Erst saß er still auf einer Bank links über dem Abgrund, zu dem sich die Bühne geöffnet hatte. Als er drankam, ging er, von einer kostümierten Souffleuse begleitet, auf seinen Ex-Kathedra-Platz hinten über dem Abgrund,...

Gestatten, Senta

Namen mit E stehen ihr gut, besonders wenn sie auf a enden: Emilia oder Emma. Noch besser sind Namen auf M: Margarethe und natürlich Mona. Das Optimum ist beides auf einmal: Eva Maria. Als «Dr. Eva Maria Prohacek» ermittelt Senta Berger seit 2003 beim ZDF und zeigt mit dieser Figur, dass sie der «Senta»-Figur, an die sich der Zuschauer so gewöhnt hat, doch noch...