Die klärende Stimme
Zuletzt habe ich ihn vor einem guten Jahr gesehen, als fanatisch intoleranten Patriarchen in Lessings «Nathan der Weise» am Schauspiel Frankfurt. Erst saß er still auf einer Bank links über dem Abgrund, zu dem sich die Bühne geöffnet hatte. Als er drankam, ging er, von einer kostümierten Souffleuse begleitet, auf seinen Ex-Kathedra-Platz hinten über dem Abgrund, sprach den schrecklichen, erschreckenden Text des Eiferers mit zorniger, zeternder Stimmgewalt, über die er immer noch gebot, und stellte mit schonungsloser Klarheit die Unmenschlichkeit des Patriarchen bloß.
56 Jahre zuvor, 1949, gab der damals achtzehnjährige Günter Lampe sein Theaterdebut im hannoverschen Ballhof, strahlte er als Euphorion, Sohn Faustens und der Helena, in Faust II, Regie Alfred Noller: «Nun fort! / Nun dort / Eröffnet sich zum Ruhm die Bahn.» Und stürzte schwärmend in den Tod.
Coming out mit Arrabal
Die Schauspieler-Bahn Günter Lampes ging durch die Stadttheater: Flensburg, Freiburg, Münster, Augsburg, Essen – dort gab er 1964 den gegen den Papst rebellierenden Pater Riccardo in Hochhuths «Stellvertreter» –, ab 1967 Bochum, damals eine erste bundesrepublikanische Theateradresse. Niels-Peter Rudolph ...
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Der ideelle Gesamtschwabe arbeitet gerne und viel, betet fromm und pflegt einen Drang zum Höheren. Da er dieses Höhere aber gut radikalprotestantisch in der innerweltlichen Pflichterfüllung sieht, geht das alles gut zusammen, und er arbeitet sich in spiritueller Fröhlichkeit den Arsch ab. Für diesen Zusammenhang aus Arbeit und Spiritualität, ja aus stumpfer,...
Die Ausgangslage war brillant: «Der Streit» von Marivaux, eine alte Kiste, aber so aktuell, als hätte sie Houellebecq selbst in den Arc de Triomphe gemeißelt. Eine Geschichte über Menschenexperimente, emotionale Klonversuche, Rückverwilderungsgeschichten, am Fließband reproduzierte Sündenfallszenarien. Pop, Politik, Science Fiction so weit man sehen kann. Ein...
Dieser Trigorin ist nicht von hier. Nicht, dass er keine Manieren hätte, die Sprache nicht beherrschte oder der einzig Blonde unter Brünetten wäre. Es sind Nuancen, die den etablierten Schriftsteller aus Tschechows «Möwe» von der Theaterfamilie unterscheiden, in der er als Freund und Begleiter der Schauspielerin Irina Nikolajewna Arkadina (Eszter Csakanyi) zu Gast...
