Misogynie und Eigentum

nach Cho Nam-Joo «Kim Jiyoung, geboren 1982»; Thomas Köck «Eigentum (Let’s face it we’re fucked)» am Schauspiel Köln

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Alles schön bunt hier, weich und rund: große Kuscheltiere, Fruchtgummis oder Frustpolster. Man kann auch weibliche Körperteile oder Utensilien assoziieren bei den Gegenständen, die auf der Bühne herumliegen. Eine Frau in Teilstücken als variable Bühnenlandschaft. Ein «weiblicher Kosmos» soll es sein, in den wir uns da gedanklich hineinbegeben. Nur im Hintergrund hängt eine Art schwarze Bombe oder ein Punching Ball drohend in die süße Frauenwelt hinein. Dieser weibliche Lebensraum ist gar nicht so sanft und komfortabel wie die bunte Bühnendekoration.

Seongji Jang hat ein heiteres Bühnenbild für eine düstere Geschichte entworfen. Marie Schleefs Bühnenversion des koreanischen Romans «Kim Jiyoung, geboren 1982» von Cho Nam-Joo hält sich sehr eng an ihre Vorlage. Der Roman war 2016 in Südkorea ein Skandal. Dabei liest er sich völlig unspektakulär, sogar langweilig. Wie der seltsam präzise Titel mit Namen und Geburtsjahr nahelegt, ist es ein Krankheitsbericht. Die Hauptfigur Jiyoung wird mit Mitte dreißig plötzlich psychisch krank. Sie spricht mit der Identität ihrer Mutter oder einer Freundin, findet offensichtlich phasenweise keinen Zugang mehr zu sich selbst. Der Roman erzählt die ...

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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Gerhard Preußer

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