Mensch, Puppe, Automat
Statt in den Zuschauerraum wird das Publikum auf die Bühne des Depot 2 geleitet und betritt hier eine seltsame Welt. Sphärische Klänge vermischen sich mit maschinenartigem Summen und Geräuschen, die entfernt an Tierlaute erinnern. Eine weißgekleidete weibliche Schaufensterpuppe hängt waagerecht an einem Seil in der Luft wie ein bizarres Flugobjekt. Langsam wird sie zu Boden gelassen und wieder hochgezogen.
Doch halt, sie bewegt sich unmerklich, vielleicht doch ein Mensch?
Auf zwei weißen Podesten liegen ein junger Mann und eine junge Frau, ebenfalls weißgekleidet, auch mit ihnen scheint etwas nicht zu stimmen. Auf den zweiten Blick erweisen sich ihre schlafenden Gesichter als täuschend echt aussehende Latexmasken. Mensch, Puppe, Automat – schon Büchner hat in «Leonce und Lena» mit der Frage gespielt, ob ihre Interaktion einen Ausbruch aus körperlichen und gesellschaftlichen Grenzen ermöglicht. In seiner musikalischen Installation «Meta-Sleep» am Schauspiel Köln zitiert Regisseur Robert Borgmann aus Büchners Stück und überführt es in unser gerade mit Wucht begonnenes Zeitalter von Avataren, künstlicher Intelligenz, Chatbots und Co.
Die Todesträumereien und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2023
Rubrik: Chronik, Seite 76
von Natalie Bloch
Kammerton a. Der Abend beginnt wie im Konzertsaal. Die Spieler:innen haben sich locker auf der Bühne eingefunden, bei vollem Saallicht, unterhalten sich entspannt, der Keyboarder gibt den Ton vor, das Streichtrio stimmt die Instrumente. Als «Sprachkonzert» wird Sarah Kanes «Gier» gern, etwas verlegen, bezeichnet. Ein Bühnengedicht, das sie auf vier Stimmen C, M, B,...
Es gibt wenige Stücke, mit denen man so wunderbar klarmachen kann, was man sich von der Theaterkunst erhofft, wie Anton Tschechows «Die Möwe» (von 1896). Schließlich kreist die Handlung um einen geradezu exemplarischen Dichterwettstreit: Da haben wir auf der einen Seite den ambitionierten Jungdramatiker Kostja, der sich als flammender Visionär und...
Wo entsteht Kunst? Eher im «House of Trouble» als im «House of no Trouble». Denn über dem Eingang zum ersteren steht «Hoffnung», über dem zum anderen «Friede, Freude, Eierkuchen». So erklärt es das Personal in Milan Peschels Theater-auf-dem-Theater-Revue «House of Trouble». Die erste Karlsruher Inszenierung des regiefleißigen Berliner Schauspielerstars erbrachte...
