Mehr Wodka!
Es ist kein Zufall, dass die drei letzten großen Theaterproduktionen des steirischen herbst allesamt im Foyer beginnen. Dort, im Theatervorraum, spielt ja auch das richtige Leben: Da stimmt sich der Besucher auf den Übertritt in die Bühnenwelt ein, hat noch Gelegenheit, ein wenig kulturelles Kapital zu wechseln, in guter Gesellschaft zu trinken, und kann sich am Ende auch noch am freien Austausch der Meinungen über das Gesehene beteiligen. Kein unattraktiver Ort also für postdramatische Entgrenzungen aller Art.
Um «Liebe, Leidenschaft und Leben im Exil» werde es gehen, verkündet Mårten Spångberg also den Festivalbesuchern im Foyer des Dom im Berg, einer zur Jahrtausendwende in den Schlossberg der Stadt Graz gesprengten Multifunktionshöhle, bevor er den Weg in den Theaterraum freigibt. Dort haben der holländische Regisseur und Performing-Arts-Forum-Gründer Jan Ritsema und seine 18-köpfige Supergroup (mit Künstlern und Choreografen wie Christine de Smedt, Xavier Le Roy u.a.) das Set für «Shakespeare’s As You Like It, A Body Part» vorbereitet. Man ahnt bereits: Mit dem von Shakespeare erdachten komödiantischen Reigen der Verbannten im Ardenner Wald hat das Kommende nur im ganz ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: MAGAZIN, Seite 55
von Thomas Wolkinger
An einem verregneten Sommerabend Ende der neunziger Jahre kehrte dieser heimatlose Odysseus nach München zurück – nicht an eines der beiden großen Bühnengestade dies- und jenseits der Maximilianstraße, an denen Heinz Bennent in den siebziger und achtziger Jahren der hellste und fernste Stern gewesen war: am Residenztheater als Ingmar Bergmans Andersen in Per Olov...
Dieser Klytaimestra ist jeder Zweifel fremd. Wenn Susann Thiede mit frisch bürolackierten Fingernägeln und dem Charme einer Politkommissarin ihren Gattenmord rechtfertigt, müsste jedes Hinrichtungskommando vor Schreck die Waffen strecken. Nicht so Orest, bei Arndt Wille ein ebenso blass verschreckter wie augenrollend erleuchteter Vaterrächer, der sein Schwert...
Die arabischen Frühlingswinde hatten schließlich auch das im Berlusconismus erstarrte Italien erreicht und hier einen Sturm in der Theater-Landschaft entfacht. In seinem Zentrum steht das Teatro Valle in Rom, das am 14. Juni 2011 von einer Gruppe von Regisseuren, Autoren, Schauspielern, Kostümbildnern, Technikern und Aktivisten besetzt wurde und seitdem Teatro...
