Mama, warum?

Anta Helena Recke, Maxi Menja Lehmann und Anna Froelicher inszenieren am Schauspielhaus Zürich «Monster»

Theater heute - Logo

Mit einem Knall und kollektivem Zusammenzucken im Publikum geht das Saallicht aus, Blackout. Der effektvolle Anfang macht das Erschrecken am eigenen Zuschauer:innenleib erfahrbar, das dieser Abend aufrufen will: Erschrecken über das Andere, Erschrecken über sich selbst. Folgt auf den Schock die Erkenntnis? Wenn der rote Plüsch des Guckkastenvorhangs sich hebt, elegant zur Seite hoch wie im Puppentheater, gibt er erst mal den Blick auf eine leere, düstere Bühne frei.

Sie bevölkert sich wie im Traum mit animierten Wänden, Zimmerecken, die von selbst hereinfahren, einem Kochherd, der kreiselnd seinen Platz sucht. Eine surrealistische Irritation – Bilder wie dieses gehören zu den Stärken der «visuellen Albtraumanalyse» von Anta Helena Recke, Maxi Menja Lehmann und Anna Froelicher, die sie als Auftragswerk für das Schauspielhaus Zürich entwickelt haben. Sie stellen sie unter ein Motto von Antonio Gramsci: «Die alte Welt liegt im Sterben, und die neue kann noch nicht geboren werden. Jetzt ist die Zeit der Monster.»

Die Monster und Monstrositäten, die Recke/Lehmann/ Froelicher untersuchen, liegen im Verhältnis von Kind und Mutter, spezifisch weißer Mutter und nichtweißem Kind im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Andreas Klaeui

Weitere Beiträge
Macht eure Scheiße alleine

Die Wiener Festwochen feiern heuer ihren 75. Geburtstag. Bei den Recherchen für eine retrospektive Jubiläumsinszenierung hat Intendant Milo Rau die Mitarbeiter:innen des Festivals gefragt, welche Festwochenproduktion sie besonders beeindruckt habe. Ganz oben auf der Liste stand bei fast allen «Bitte liebt Österreich», Christoph Schlingensiefs legendäre...

Plötzlich Regisseur

Vom Schauspieler zum Bühnenbildner zum Regisseur: «Die Reihenfolge fühlt sich organisch an», sagt Wolfgang Menardi, Jahrgang 1977. Dennoch fällt ihm auf die Schnelle abgesehen von ihm selbst niemand ein, der diesen Weg eingeschlagen hat. Jeweils knapp zehn Jahre liegen zwischen den Wechseln, die zwar nie abrupt erfolgten, aber dennoch recht klar zu datieren sind.

D...

Auf der Kippe

Wie queer kann ein See sein? Er hat vielleicht kein Geschlecht, aber auch er kann sich verändern. Und der See, an dem dieses Stück spielt, hat sich dramatisch verändert: Er ist gekippt, Fische gibt es darin keine mehr.

Die Freundinnen Mo (Katharina Rose) und Nadia (Marthe Lola Deutschmann) treffen sich trotzdem noch auf dem Steg, auf dem sie große Teile ihrer...