Männer!
Zwischen einen schulplatzmietentauglichen «Hamlet» und ein frisch-unfromm-freies «Sportstück» platzierte man in Nürnberg zum Spielzeitbeginn zwei neue Bühnenwerke – well made plays, das eine weniger, das andere mehr, und in beiden stehen Männer im Mittelpunkt: einmal als recht bemitleidenswerte Gefühlskrüppel, das andere Mal als Kotzbrocken. Zum Freund möchte man keinen von denen haben.
Beate Faßnacht zeigt sie in «Zimmer Frauen» so konsequent als dummschwafelnde Bierdümpfel, dass sie einem schon nach wenigen Sätzen, die ihnen die Autorin in einer seltsamen Stummelsprache gedrechselt hat, gehörig auf die Nerven gehen. Hintergrund ist Dominique Strauß-Kahns Übergriff auf ein Zimmermädchen. Sepp (Frank Damerius) und Fritz (Pius Maria Cüppers) nennt Faßnacht ihre Figuren, die einen Schriftsteller und einen Maler auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskrise darstellen, ständig auf der Suche nach Daseinsberechtigung auf dem Boden jeder geleerten Flasche. Mit dem Wort «Arschloch» gehen sie recht locker um und meinen damit einerseits die abgebrühten Prominenten mit ihren ständigen Affären, andererseits aber auch sich selber. Denn ihnen fällt nun partout nichts ein, womit sie gleichermaßen ihre ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Bernd Noack
Nein, «der Frank» habe damit nichts zu tun, meint Hendrik Arnst alias Jaroslaw Iljitsch alias typischer russischer Kleinbürger voll bauernschlauer Schlitzohrigkeit ganz zum Schluss. Der Frank sei ein alter Mann und sowieso seit drei Jahren in Bayreuth, wo die Opern-Welt im Sommer Castorfs «Ring» erwartet.
Ganz so unbeteiligt wird Frank Castorf an seiner jüngsten...
Die Geschichte beginnt an einer tristen Currywurstbude, die Bühnenbildnerin Maria-Alice Bahra mit schönem Realismus auf die Bühne des Großen Hauses in Hannover gebaut hat. Davor lungern die üblichen Verdächtigen, unsichtbare Gestalten, die Balladensänger der Straße, deren Antlitz man sofort vergisst, wenn man ihnen doch einmal zufällig in die Augen blickt.
Alles...
Am Eingang des beinahe dunklen Raumes hat sich ein Stau gebildet. Einige wollen raus, andere rein. Diese wollen, so scheint es, nicht in etwas hineingezogen werden, was sie nicht überschauen und was ihnen ganz buchstäblich unheimlich ist, jene sind sich nicht sicher, ob die sich stauende Menge Teil des Kunstwerks ist oder vielmehr dieses vor ihren Augen verdeckt....
