Lopachin in San Pancrazio
Nun also San Pancrazio statt Turin. Peter Steins mit Spannung erwartete, im April plötzlich gekippte, millionenschwere Prestigeproduktion des renommierten Teatro Stabile di Torino auf vier Abende für jeweils 96 Zuschauer gestutzt. Die bösen Geister des vorrevolutionären Russland auf der Probebühne eines Landes, in dem die Politik seit langem nur noch Farce ist. Die Eiseskälte der namenlosen russischen Provinz in der Hitze eines tropisch heißen Samstags im Mai.
Ein seltsam exterritoriales Theater-Ereignis, das dann wird, was kaum jemand erwartet hatte: Welttheater in einer umgebauten Scheune, mitten im «grünen Herzen Italiens».
Die aus Rom und Mailand angereiste italienische Theaterkritik erkennt ihre Schauspieler nicht wieder: kein hohles Deklamier-Pathos, kein tremolierendes Ariensingen, und nur in den Massenszenen, bei den Nachwuchsschauspielern, gelegentlich überbordendes Gestikulantentum. Stattdessen konzentriertes, auf die Essenz reduziertes, beiläufiges, fast filmisches Spiel. Erzähltheater, das mit Farbigkeit und Ironie eine Faszination und einen Sog entwickelt, dem sich die fast ausschließlich aus Theaterleuten bestehende Zuschauer-Community nicht entziehen kann. ...
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Das «M» von «Maria Stuart» hängt auf dem Titelblatt des Programmheftes wie abgehackt. Das ist aber auch schon der einzige Gag, den sich das Nürnberger Theater leistet, wenn es an Schillers tragischen Damen-Machtkampf geht: Stefan Otteni nämlich hat eine so strikte, ehrfurchtsvolle, letztlich uninspirierte und zähe Inszenierung abgeliefert, dass einem der...
Die perfekte Woche: Kreta, zwei befreundete Paare, ein Minigolfturnier. Zwar ist die kompetitive Wirtschaft nicht ganz ausgeschaltet, und wer das Turnier verliert, muss den anderen das Hotel bezahlen. Aber «seit einem Jahr keine Pause, da muss man sich nicht schämen», nicht einmal als Schweizer. Zumal das pausenlose Jahr offenbar auch einigermaßen ereignislos...
Eigentlich ist sie eine Penthesilea, Jana Schulz, diese merkwürdigste Schauspielerin im wenig merkwürdigen Schirmer-Ensemble, so bockig, unkokett und unbeirrbar. Doch jetzt spielt sie das Käthchen, das Kleist einmal die in der Hingabe ebenso starke Kehrseite der Amazonenkönigin genannt hat, und das ist Roger Vontobels Glück, lässt ihre sperrige Präsenz doch...
