Logik der Spieltheorie
Das Spiel der Macht ist ohne Zweifel ein Schachspiel. Man wechselt Position und Richtung, wenn es die Situation erfordert. Setzt auf Figuren, um sie im nächsten Moment der Taktik zu opfern. Und hofft, dass am Schluss die eigene Strategie aufgeht.
Im Sinne einer solchen Spielanleitung hat Frank-Patrick Steckel «Othon» von Pierre Corneille verstanden und die selten gespielte Römertragödie in Mainz als streng organisiertes Brettspiel inszeniert.
Die Bauern, Türme, Könige und Damen dafür stellt die Vorlage: Othon, ein römischer Senator, will sich am Hof des greisen Kaisers Galba für dessen Nachfolge empfehlen. Zunächst hofft er als zukünftiger Schwiegersohn des einflussreichen Konsul Vinius auf eine gute Ausgangssituation. Doch schnell wird klar, der Weg zur Macht führt über Galbas Nichte Camilla, die der Kaiser zur Sicherung der Dynastie mit dem Mann seiner Wahl verheiraten will. Angetrieben von Herrschaftsinteressen, Rivalitäten und privater Vorteilssuche setzt sich so ein Karussell in Gang, in dessen Mittelpunkt Othon schließlich mehr als Gelenkter denn als Lenker erscheint.
Sabine Böing hat eine schlichte Bühne mit schachbrettartigem Bodenmuster entworfen. Im hohen leeren ...
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