Liebe deine Angst

Das Leben im heißlaufenden Spät­kapitalis­mus ist zwar kein Vergnügen, kann aber trotzdem Spaß machen. Zum Beispiel mit den Stücken von Sibylle Berg: «Nur Nachts» im Wiener Akademie­theater und «Hauptsache Arbeit!» in Stuttgart

Theater heute - Logo

Wenn man sich mal wieder richtig wohlfühlen will in seiner mittleren bundesdeutschen Durchschnitts­existenz, dann sind die neuen Stücke von Sibylle Berg ein schöner Anlass.
Zum Beispiel «Nur Nachts». So gegen vier Uhr morgens ist der körpereigene Serotoninspiegel zuverlässig an seinem tiefsten Punkt.

Wer das Pech hat, um diese Zeit aufzuwachen, kann sich auf eine nette halbe Stunde mit seinen schönsten Ängsten freuen: Von der allgemeinen Lebensangst über konkretere Versagens- und Verlust­ängste, wahlweise Bindungsangst, gerne auch Angst vor Einsamkeit bis hin zu einem breiten Spektrum speziellerer Existenzängste. Soweit der unspektakuläre Normalbereich, pathologischere Varianten und andere Angst-Exoten sind um diese Uhrzeit auch immer gerne willkommen. Damit die Angst auch wirklich spricht, gibt es in diesem Stück zwei Geister und einen Einsatzleiter, der die morgendlichen Panikattacken koordiniert und sich im Übrigen zu traditionellen abendländischen Normen bekennt: «Wir glauben an alte Werte, Größen wie Klassenzugehörigkeit, Gehorsam, Unzufriedenheit und Krebs.»

Um gar nicht erst dramaturgische Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Sympathie der Autorin – und daran muss man ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2010
Rubrik: Aufführungen / Neue Stücke, Seite 32
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Yes, they can

Gleich nach einer kurzen Diashow zur Einstimmung teilen sich Gesine Hohmann und Stephan Stock die Bühne gerecht auf. Auf der linken Seite arbeitet sich der Berner Schauspielschüler mit geradem Rücken, irritierend wohlgesetztem Lächeln und ein paar multifunktionalen Holzlatten durch den stoischen Optimismus von Halldor Laxness’ «Sein eigener Herr»: die Geschichte...

Mensch bleiben!

Kasimir ist ein Bulle. Ein Bulle auf zwei Beinen, die nie genau wissen, wohin sie sich bewegen sollen. Kein Wunder: Kasimir ist gerade der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Er wurde entlassen, und dass Ödön von Horváth ihn mit seiner Verlobten Karoline aufs Oktoberfest schickt, ist keine Trostaktion. Karoline strebt nach dem besseren Leben, und Kasimir kann...

Festival-Kalender

Amsterdam
Holland Festival vom 1. bis 23. Juni
Pressebüro Reservations Center
P.O. Box 404, NL-2260 AK Leidschendam
Tel.: 00 31/70/320 25 00
Fax: 00 31/70/320 26 11
info@hollandfestival.nl
www.hollandfestival.nl


Bridge-Project: Shakespeare As you like it, Regie Sam Mendes (2.–6.) und The Tempest, Regie Sam Mendes (4.–6.)


Münchner Kammerspiele: Jelinek Rechnitz, Regie...