Liebe deine Angst

Das Leben im heißlaufenden Spät­kapitalis­mus ist zwar kein Vergnügen, kann aber trotzdem Spaß machen. Zum Beispiel mit den Stücken von Sibylle Berg: «Nur Nachts» im Wiener Akademie­theater und «Hauptsache Arbeit!» in Stuttgart

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Wenn man sich mal wieder richtig wohlfühlen will in seiner mittleren bundesdeutschen Durchschnitts­existenz, dann sind die neuen Stücke von Sibylle Berg ein schöner Anlass.
Zum Beispiel «Nur Nachts». So gegen vier Uhr morgens ist der körpereigene Serotoninspiegel zuverlässig an seinem tiefsten Punkt.

Wer das Pech hat, um diese Zeit aufzuwachen, kann sich auf eine nette halbe Stunde mit seinen schönsten Ängsten freuen: Von der allgemeinen Lebensangst über konkretere Versagens- und Verlust­ängste, wahlweise Bindungsangst, gerne auch Angst vor Einsamkeit bis hin zu einem breiten Spektrum speziellerer Existenzängste. Soweit der unspektakuläre Normalbereich, pathologischere Varianten und andere Angst-Exoten sind um diese Uhrzeit auch immer gerne willkommen. Damit die Angst auch wirklich spricht, gibt es in diesem Stück zwei Geister und einen Einsatzleiter, der die morgendlichen Panikattacken koordiniert und sich im Übrigen zu traditionellen abendländischen Normen bekennt: «Wir glauben an alte Werte, Größen wie Klassenzugehörigkeit, Gehorsam, Unzufriedenheit und Krebs.»

Um gar nicht erst dramaturgische Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Sympathie der Autorin – und daran muss man ...

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Theater heute Mai 2010
Rubrik: Aufführungen / Neue Stücke, Seite 32
von Franz Wille

Vergriffen
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