Lears Infarkt
Zu ihrem zwanzigjährigen Bestehen beschenkt die britische Kult-Physical-Theatre-Gruppe «Told by an Idiot» sich und die insulare Theaterwelt mit einer wunderbar skurrilen neuen Produktion. «Idiot»-Veteran Paul Hunter kickstartet «My Perfect Mind» in weißem Kittel, Walle-Perücke und perfektem Deutsch. Besonders Letzteres für einen Engländer eine grandiose Leistung: «Guten Abend, meine Damen und Herren, ich bin Doktor Sitznagel, bei mir lernen Sie in den nächsten Semestern alles über das menschliche Hirn. Wir beginnen mit EPS, dem Edward Petherbridge Syndrom.
»
Körperliche und sprachliche Komik von Hunters aktionistisch wirrem Hirnforscher sind entwaffnend, man muss und will mit ihm herausfinden, was EPS ist. Dafür ist ein Proband in den Hörsaal bestellt: Edward Petherbridge, Jahrgang 1936. Jeder Engländer kennt ihn als großen klassischen Schauspieler, Stoppards Original-Guildenstern in «Rosenkrantz und Guildenstern sind tot», regelmäßig unter Laurence Olivier am National Theatre, RSC- und BBC-Star, ein nationaler Kulturschatz. Silberhaarig verwittert schlendert er unter Hunters Argusblick ins Young Vic Studio, murmelt was von «verdammte U-Bahnverspätung» und, mit Blick auf die ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Magazin: Ausland, Seite 69
von Patricia Benecke
Jetzt hat auch Carmen-Maja Antoni, die schon als Pionier des DDR-Kinderfernsehens ein Star war und heute nicht nur als Hotti Krauses Schwester Elsa das Fernsehpublikum, sondern als Brecht-Interpretin auch die Theaterzuschauer mitten ins Herz zu treffen versteht, ein Buch geschrieben: «Im Leben gibt es keine Proben», das sie der Journalistin Brigitte Biermann in die...
Schulniveausenker, Frauenschläger und vielleicht sogar spätere Rentenkassierer – über die gewaltbereiten unsozialen Jugendlichen mit Migrationshintergrund lassen wir uns in Deutschland gerne aus. Für die Generation ihrer Großeltern, die als sogenannte Gastarbeiter in den 60er Jahren nach Deutschland kamen, haben wir uns indes nie interessiert, auch nicht im...
Nein, man muss Dinge nicht selbst erlebt haben, um darüber zu schreiben. Nach allem, was man weiß, hat Shakespeare nie im Wald gelebt, Goethe hat kein Kind getötet, und Brecht war kein Gangster. Wieso also überhaupt einen Gedanken an die Frage verschwenden, ob eine 18-Jährige, die ein – vor allem auch sprachlich – höchst bemerkenswertes Stück über Kindsmissbrauch...
