Lady Mondän
Die Ordnung ist wiederhergestellt. Die Hexen sind weiblich, ansehnlich und manierlich. Dass sie am späteren Abend durch die Verstrebungen des Bühnenbildes turnen, ist nichts im Vergleich zu dem Gesudel und Gemantsche eines zunächst berüchtigten, bald berühmten und weit herumgekommenen anderen «Macbeth».
Die drei Damen (Manuela Alphons, Jele Brückner, Veronika Nickl), aufgeputzt wie zum Party-Event, betreten durch die Seiteneingänge das Parkett und nehmen während der 110-minütigen Aufführung Platz unter den Zuschauern: wie diese die meiste Zeit unbeteiligte Zeugen des Zerfalls einer Macht, wenn die Femmes fatales dem Macbeth nicht gerade lasziv ihre fehlzudeutenden Orakel einflüstern. Der Mensch im Banne lockender Werbeversprechen.
Regisseurin Lisa Nielebock wechselte erstmals von den Kammerspielen ins Große Haus. Sie hat sich damit keinen Gefallen getan. Was in ihrer Kleist-«Penthesilea» elegant überspielt wurde und sich in Ibsens «Gespenstern» schon abzeichnete, wird im «Macbeth» unübersehbar: eine gewisse Ratlosigkeit im Erzählerischen gegenüber der psychologischen Durchdringung der Figuren, kaschiert durch signalhaft starke Zeichensetzungen. Da ist mehr Formwille vorhanden als ...
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