Die Sitzenbleiber
Nichts. Nichts geschieht im Klassenzimmer der Sitzengebliebenen. Leichtes Gegrummel, etwas Gestöhne, minimale Bewegungen. Tröpfchenweise werden die Bedeutungspartikel an das Publikum verabreicht. Aber dann kommt doch einiges zusammen. Das Nichtstun führt zu Kapriolen. Plötzlich tönt aus allen Kehlen der Weltverzichtschoral «Weg mit allen Schätzen» (neu gesetzt von Steven Sprengels). Sandra Hüller röhrt die Girlie-Hymne «Girls just wonna have fun» mit beängstigender Lautstärke. Da sind wir dann in den 1980ern.
Aber immer noch weit weg von der Vorlage, von Luis Buñuels Film «Der Würgeengel» von 1962.
Johan Simons’ Theaterversion, eine Koproduktion von Schauspielhaus Bochum und Schauspiel Leipzig, übernimmt die Grundsituation des Films, eine Partygesellschaft kann ohne äußere Hindernisse den Raum nicht verlassen. Schon viele Theaterregisseure haben gesehen, dass dies eine genuine Theatersituation ist. Man kann nicht von der Bühne herunter, aber die Wände sind nur imaginär. Wenn man nur wollte, könnte man, aber man kann nicht wollen. Simons zersplittert Buñuels Dialoge und lässt dazwischen immer wieder Leerstellen. Die zwischengeschalteten Popsongs und protestantischen Kirchenlieder ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Gerhard Preußer
Es gibt wenige Stücke, mit denen man so wunderbar klarmachen kann, was man sich von der Theaterkunst erhofft, wie Anton Tschechows «Die Möwe» (von 1896). Schließlich kreist die Handlung um einen geradezu exemplarischen Dichterwettstreit: Da haben wir auf der einen Seite den ambitionierten Jungdramatiker Kostja, der sich als flammender Visionär und...
Und wenn es nun in dieser Minute geschlossen gewesen wäre, darum also hätte ich gelebt?», räsonniert Heinrich von Kleist in einem Brief, den er am 18. Juli 1801 unmittelbar nach seinem «spektakulären» Kutschen-Unfall auf dem Butzbacher Marktplatz schrieb, über sein Leben. «Das hätte der Himmel mit diesem dunkeln, rätselhaften, irdischen Leben gewollt, und weiter...
Vom Mannheimer Hauptbahnhof fährt man 20 Minuten mit der Tram an den Stadtrand bis zum «Platz der Freundschaft». Dann steht man direkt davor: vorm alten Kino des ehemaligen US-amerikanischen Kasernenareals «Franklin». Jetzt ist das Schauspiel des Mannheimer Nationaltheaters in diesem zum Theater umgebauten Lichtspielhaus untergekommen. Mindestens für fünf Jahre. So...
