Kunstvoll, Ungekünstelt
Man konnte sie bei der Premiere von Liam Scarletts «Swan Lake» am Londoner Royal Oper House bewundern: Vadim Muntagirovs Pas-de-deux-Variation mit dem schwarzen Schwan in Akt III, bestechend musikalisch, scheinbar mit einem Minimum an emotionalem Adrenalin ausgeführt und vollendet von einer Serie berauschend präziser Double tours, die dem Premierenpublikum nachhaltig den Atem verschlug. Eine Performance, gekrönt von stürmischem, nicht abreißen wollenden Applaus, den der russische Tänzer mit schüchternem Lächeln und artiger Dankbarkeitsgeste quittierte.
Dieser Moment, Muntagirovs dezente Reaktion auf den tosenden Beifall, könnte sinnbildlich stehen für das, was den Ersten Solisten beim Londoner Royal Ballet als Künstler und Menschen ausmacht: ein enormes körperliches und kunstsinniges, zum Tanzen prädestiniertes Talent, gepaart mit ungekünstelter Bescheidenheit. Auch dafür lieben ihn seine Fans, Kritiker und Kollegen gleichermaßen.
Schicklichkeit
In den vergangenen zehn Jahren hat Vadim Muntagirov ausschließlich höchstes Lob von allen Seiten erfahren; Eitelkeit und Konkurrenzdenken scheinen ihm fremd. Was auch bedeutet, dass er zunächst einen gewissen Mangel an natürlichem ...
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Tanz März 2020
Rubrik: Menschen, Seite 28
von Mike Dixon
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