Kulturpolitik: Geduldige Papiere
Natürlich sind die Themen, die das Theater seit geraumer Zeit neben seinem künstlerischen und literarischen Auftrag so heftig umtreiben und aufreiben, auch längst beim und im Bühnenverein angekommen. Auf den geduldigen Papieren, die am Ende der letzten Jahrestagung in Nürnberg verteilt wurden, wimmelte es denn auch nur so von ehrlichen Absichtserklärungen, mutigen Statements, und die Intendanten wurden nicht müde zu betonen, dass die Diskussionen über Geschlechtergerechtigkeit, Diversität oder Rechtspopulismus nun keineswegs an ihnen vorbeirauschen würden.
Auch wenn ein Mann (Ulrich Khuon) Präsident bleibt, so sind doch die nachfolgenden Positionen zwischen männlich und weiblich offensichtlich gerecht aufgeteilt. Geschäftsführer Marc Grandmontagne sagte, dass «alle Vorsitzenden und ihre Stellvertreter*innen angekündigt haben, dass sie aus kulturpolitischen Gründen gleichrangig und als Doppelspitze arbeiten wollen». Geschlechterparität solle auf «allen Ebenen Normalität werden». Khuon («Der männliche Anteil in unserer Reihen beträgt immer noch 70 bis 80 Prozent») selber aber konnte den nur schwer sichtbaren Fortschritt kaum fassen: «Wir sind glücklich, dass wir in diesem einen ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Bernd Noack
Als Lars-Ole Walburg 2009 in Hannover seine Intendanz begann, war er Teil eines großen Posten-Karussells, über das jedes Feuilleton schrieb. An acht bedeutenden Theatern im deutschsprachigen Raum wechselte die Leitung. Eine Frau (Barbara Frey in Zürich) und sechs Männer sagten «Grüezi», «Servus», «Moin» und «Tach» zum neuen Publikum in Berlin (Ulrich Khuon),...
Ein «Fatzer» ist im Augsburger Dialekt ein Schwätzer, ein Aufschneider. Brecht hat seiner Figur einen wahrlich sprechenden Namen gegeben. Der ichsüchtige Spötter redet und redet und geht doch unter. Er steigt aus dem Krieg aus, ein Deserteur. Lang ist’s her, der Erste Weltkrieg, und lange hat Brecht an diesem Projekt vom «Untergang des Egoisten Johann Fatzer»...
Fast jedes «man» in diesem Text könnte wahrscheinlich ein «Mann» sein. Denn auch wenn hier eine Frau schreibt, ist diese Theaterwelt immer noch eine oft sehr männliche Welt – und nicht nur die. Dessen sind sich Stefan Pucher und die Volksbühne sehr bewusst, wie schon an Ankündigung und Programmheft für die Inszenierung von Wedekinds «Lulu» zu erkennen ist....
