Kreativprojekt Kind
Die ehrgeizige Mutter hat mit Sicherheit nicht nur einen Ayurveda-Kurs besucht: «Jetzt kommt gleich der Papa von der Arbeit, und dann machen wir uns alle zusammen einen wunderbaren Abend hier bei uns zu Hause», flötet sie ihrem Neugeborenen zu, das sich schweigsam – man könnte auch sagen: herzlich desinteressiert – in seinem rosafarbenen Strampler in der Zimmerecke herumdrückt. Der heimkehrende Papa scheint für derartige Harmonie-Attacken ebenfalls sträflich untersensibilisiert. Kaum über die Schwelle getreten, leistet er sich einen groben Schnitzer: «Überall Hunde. Halbnackte.
Und durch die Königsallee demonstriert eine Minderheit», meckert er sich ohne Rücksicht auf fernöstliche Erziehungskonzepte den misanthropischen Großstadt-Frust von der Seele. «So, das machen wir jetzt gleich noch mal», ordnet die Ayurveda-Mama streng an. «Das Ganze in positiv. Kommst du bitte noch mal rein?»
Lieblingsfeindbild
Auch der Dramatiker Martin Heckmanns ist also mit seinem neuen Stück «Vater Mutter Geisterbahn» in jenes bürgerliche Selbstverwirklichungsmilieu abgetaucht, das sich besonders gern in Gegenden wie dem Berliner Prenzlauer Berg fortpflanzt und das unter dem Stichwort ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 45
von Christine Wahl
Der Regisseur Antonio Latella inszeniert zum dritten Mal in Köln. Seit diesem Jahr leitet
er gleichzeitig ein Theater in Neapel und versucht dort, seine deutschen Erfahrungen mit dem Repertoirebetrieb umzusetzen. Mit sechs italienischen und sechs deutschen Schauspielern und seinem Dramaturgen Federico Bellini hat er nun ein knapp dreistündiges Mafia-Spektakel in...
Und wenn ich einmal traurig bin,
dann trink ich einen Korn.
Und wenn ich dann noch traurig bin,
dann trink ich noch nen Korn.
Und wenn ich dann noch traurig bin,
dann fang ich an von vorn!»
Dies ist ein Lied, das alle Freunde von Norbert Schwientek kennen. Dieses und wo er es sang, stimmten alle, die mit ihm am Tisch saßen, ein. Nicht unisono, auch nicht dem Wohlklang...
Irgendwas kommt in meinen Stücken immer beredt zum Ausdruck, aber wer beredet da was und wie? In meiner «Winterreise» wird vor dieser Sprechenden hier die Landschaft vorbeigezogen. Eine spricht im Stillstand. Aufgrund einer Angst-Erkrankung bin ich nicht imstande, diesen Preis, über den ich mich sehr freue, persönlich entgegenzunehmen, und leider – das beschreibe...
