Kein Privatleben
Wofür soll man kämpfen in dem bisschen Leben, das uns vergönnt ist? Kann, darf man unpolitisch bleiben? Der Konflikt zwischen politischem Engagement und privatem Lebensglück entfacht neu in Zeiten, in denen Deutschlands «Kriegstüchtigkeit» öffentlich gefordert wird. Sie trieb auch Brecht zeitlebens um. Historische Folie von «Trommeln in der Nacht», das seinen Ruhm begründete, ist der Spartakus-Aufstand vom Januar 1919, bei dem kommunistische Aktivisten in Berlin kurzzeitig eine Räterepublik errichteten. Nach einer Woche wurden sie brutal vom Freikorps niedergeschlagen.
In Bochum scheint der Konflikt aber zunächst noch niemanden zu erreichen. Kraglers Braut Anna, die eigentlich trauernd auf ihren Verlobten wartet, erscheint nicht ganz von dieser Welt. Linde Dercon, Nachwuchstalent aus den Niederlanden, spielt Anna intensiv und doch abgekoppelt von der Welt. Sie macht seltsame Verrenkungen, lacht unmotiviert, streckt die Zunge heraus wie ein wildes Tier auf dem Sprung. Ist es, weil Brecht ihr keine echte Stimme gab – und erst die Autorin Seyda Kurt Anna zum Leben erweckt? «Ich ich ich rede jetzt. Was bin ich? Bin ich ein Mensch?», ruft sie ins Pu -blikum, analysiert ihre umfassende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2025
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Dorothea Marcus
Personen
Achen Frau, in den 30ern bzw. 40ern, illegal eingewandert, lebt in den USA
Kat Frau, in den 30ern, Amerikanerin
Amaka Frau, in den 30ern bzw. 40ern, Freundin von Achen
Chris Mann, in den 40ern, Amerikaner, Achens Crush und späterer Ehemann
Kakye Frau, in den 30ern, früher eine Freundin von Achen, die in den USA studierte
Freie*r Journalist*in mit...
Bettina Schmidt geht es gut, nur ein wenig müde sei sie, als wir uns an diesem wolkenverhangenen Tag im Clara-Zetkin-Park treffen. Kaum zu glauben, denn Schmidts hellblaue Augen scheinen hinter der großen, runden Brille wacher denn je. Ihre kurzen, blonden Locken lassen sie sanfter wirken als das sonst auch mal glatt ge -striegelte Haar auf der Bühne des Schauspiel...
Das sind Sätze! «Ist das die Sehnsucht? Still! Jetzt zieht ein Choral durch meine Seele – wenn ich die Wörter nur verstehen würde, diese Silben aus einem anderen Reich, so könnten wir singen.» In solch romantisch klingende Bilder kleidet die abgehalfterte Baronin Ada Freifrau von Stetten in Ödön von Horváths «Zur schönen Aussicht» jenen Augenblick, da ihr die Felle...
