Im Osten was Neues
In der DDR gab’s kein 68 – diese Feststellung fehlt in keiner Ost-West-Debatte. Während die westdeutsche Studentenbewegung die vollständige Entnazifizierung der Bundesrepublik forderte, neue Familien- und Arbeitsstrukturen erprobte, wurden in der DDR zaghafte Proteste gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag sofort unterdrückt.
Und doch reflektierte auch das sozialistische Deutschland seine jüngste Vergangenheit, etwa in der fünfteiligen Fernsehserie «Wege übers Land» nach einem «dramatischen Fernsehroman» von Helmut Sakowski, die seit September 1968 vor fast 8 Millionen Zuschauer ausgestrahlt wurde. Sie spielt im fiktiven mecklenburgischen Dorf Rakowen, das 1939 noch Gräfinnen, Großbauern und Knechte, kurz: feudale Strukturen kannte. Im Zentrum steht die fleißige Bauernmagd Gertrud Habersaat (Ursula Karusseit), die als junge Geliebte des Großbauern Jürgen Leßtorff (Armin Müller-Stahl) ihrer Herkunft aus ärmlichsten Verhältnissen zu entkommen hofft; am Ende wird die alleinerziehende Mutter dreier angenommener Kinder 1953 zur LPG-Vorsitzenden von Rakowen gewählt. Auch ihr späterer Mann, der Arbeiter und Sozialist Willi Heyer (Manfred Krug), der von den Nazis mit KZ und ...
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Theater heute August-September 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 23
von Eva Behrendt
Irgendwann reicht es. In vollen Klamotten springt Wilma vom Steg, kopfüber in den See im Lausitzer Braunkohlenrevier. Hier hat sie ihr ganzes Leben verbracht, zu DDR-Zeiten als Elektrikerin und Maschinistin im 1992 abgewickelten Kraftwerk Sonne gearbeitet. Die Erinnerung an diese Zeiten und die «Brigade Völkerfreundschaft» hält sie mit ihren Ex-Kolleginnen im...
Er ist so etwas wie der Schutzheilige bajuwarischer Widerständigkeit, ein «ohdrahter Hund», was so viel wie ausgekochtes Schlitzohr bedeutet oder freundlicher: ein freigeistiger Grantler. Hat doch der Brandner Kaspar den Tod – im Bayerischen der Boan(d)lkramer – erst mit einer Flasche Kirschgeist zum Trinken verführt, um ihm darauf beim Kartenspiel ein paar...
Friedrich Schiller, so lässt sich vermuten, dürfte in unserer Epoche einer regelrechten Schreibwut verfallen. Wo angesichts wiedererstarkender Despotien Repressionen zur neuen globalen Normalität gehören, wird sein Ruf nach Freiheit selbst mehr als zwei Jahrhunderte nach seinem Tod 1805 nicht leiser. Studieren konnte man seine uneingeschränkte Aktualität just bei...
