Kein Großes im Ganzen
In diesem Bayern gibt es keinen weißblauen Himmel, stattdessen gießt es wie aus Kübeln, drei Stunden lang, fast ununterbrochen. Als hätten sich die Schleusen des Himmels geöffnet, um eine neue Sintflut über den Freistaat niedergehen zu lassen, der hier zum Schauplatz einer giftigen und in vieler Hinsicht nicht aus der Luft gegriffenen politischen Dystopie über den zunehmenden Einfluss rechtsextremer Strömungen wird.
Regisseur Ersan Mondtag und Autorin Olga Bach haben sich, nach ihrer gemeinsamen Produktion «Das Erbe» von 2017, einer philosophisch leicht verstiegenen Abrechnung mit den kollektiven Grundlagen des NSU aus Science-Fiction-Perspektive, zum zweiten Mal an den Münchner Kammerspielen einen beunruhigenden Aspekt deutscher Gegenwart herangezoomt und in einer Engführung höchst heterogener ästhetischer Ansätze zu einem gallig-explosiven Gemisch verdichtet.
Dabei hat das neue Werk das Zeug zu einem theatralen Wolpertinger (so nennt man die in Bayern beliebten, über Kreuz zusammengenähten Jagdtrophäen, wo schon mal ein Hase mit Geweih, Raubtiergebiss und Adlerklauen bestückt ist). Im Fall von «Doktor Alici» ist der Grundtorso nur noch als Kontur erkennbar: Arthur Schnitzlers ...
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Theater heute März 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Silvia Stammen
Große Fragen stehen im Raum: Wer hat Schuld am Erstarken der Rechten, an AfD-Erfolgen und linkem Niedergang? Und was wäre dagegen zu tun? Bernd Stegemann, seit je ein origineller Denker und im Hauptberuf Dramaturgie-Professor an der Berliner Ernst-Busch-Schauspielschule, hat in «Die Moralfalle – für eine Befreiung linker Politik» ein paar Vorschläge. Im Kern lassen...
Vermutlich wäre er heute ein pickeliger Gamer, der seine Heldentaten bei «World of Warcraft» filmt, kommentiert und auf YouTube hochlädt. Auch Troll- und Piraten-FunPics auf Snapchat und Instagram könnten ihm bei der Verbreitung seiner fantastischen Hochstapler-Storys helfen. Keine Frage: Das Hobby des jungen Peer Gynt, sich eine aufregendere Identität auszumalen...
Widerstand kann recht simpel daherkommen: in Form von Wanderstiefeln und roter Windjacke etwa. Denn Ora hat die Nase voll: Als ihr Sohn Ofer sich nur einen Tag nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst freiwillig zum Kriegseinsatz meldet, packt sie ihren Rucksack und rückt aus nach Galiläa, in die Unerreichbarkeit. Denn sie ist nicht willens, die Rolle zu...
