Kein Großes im Ganzen

Ersan Mondtag präsentiert Olga Bachs «Professor-Bernhardi»-Paraphrase «Doktor Alici» als poppigen Polit-Gruselthriller an den Münchner Kammerspielen, und Alvis Hermanis begräbt im Cuvilliéstheater Tschechows «Möwe» in Nostalgie

In diesem Bayern gibt es keinen weißblauen Himmel, stattdessen gießt es wie aus Kübeln, drei Stunden lang, fast ununterbrochen. Als hätten sich die Schleusen des Himmels geöffnet, um eine neue Sintflut über den Freistaat niedergehen zu lassen, der hier zum Schauplatz einer giftigen und in vieler Hinsicht nicht aus der Luft gegriffenen politischen Dystopie über den zunehmenden Einfluss rechtsextremer Strömungen wird.

Regisseur Ersan Mondtag und Autorin Olga Bach haben sich, nach ihrer gemeinsamen Produktion «Das Erbe» von 2017, einer philosophisch leicht verstiegenen Abrechnung mit den kollektiven Grundlagen des NSU aus Science-Fiction-Perspektive, zum zweiten Mal an den Münchner Kammerspielen einen beunruhigenden Aspekt deutscher Gegenwart herangezoomt und in einer Engführung höchst heterogener ästhetischer Ansätze zu einem gallig-explosiven Gemisch verdichtet.

Dabei hat das neue Werk das Zeug zu einem theatralen Wolpertinger (so nennt man die in Bayern beliebten, über Kreuz zusammenge­nähten Jagdtrophäen, wo schon mal ein Hase mit Geweih, Raubtiergebiss und Adlerklauen bestückt ist). Im Fall von «Doktor Alici» ist der Grundtorso nur noch als Kontur erkennbar: Arthur Schnitzlers ...

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Theater heute März 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Silvia Stammen