Kämpfen und Kippen
Macht ja nichts, wenn es dir gefallen hat.» Alt-Punk Schorsch Kamerun beendet jovial sein zweites Gespräch der Reihe «Bevor wir kippen». Gerade hatte ein zugezogener Weimaraner ihm sein Bild von der Stadt präsentiert, ein Bild von bürgerlichen Flaneuren, steigenden Mieten und rechten Gesellen. Es ist Dienstag vor der Wahl, welche die AfD zur stärksten Kraft im Freistaat machen wird. 32,8 Prozent der Wählenden haben den Blau-Braunen mit ihrem gerichtsfesten Faschisten Höcke an der Spitze ihre Stimmen gegeben. In Weimar sind es zwar nur 19,1 Prozent, aber immer noch jeder Fünfte.
Ob die sich zu den Talks mit Schorsch Kamerun bewegen lassen, bei denen stets unter einem Oberthema und mit bekannten und unbekannteren Gästen aus Freier Szene, Wissenschaft und Subkultur mehr Fragen als Antworten gesucht werden, darf bezweifelt werden. Dennoch ist das Dauerformat auf dem Theaterplatz, in Sichtweite der beiden Weimarer Klassiker, einer dieser Ausbrüche ins Offene, für die das Kunstfest seit jeher steht. Dieses Jahr ist sie eingebettet in die bundesweite Reihe «Die Kunst, viele zu bleiben». Kamerun selbst nennt seine Interventionen ein 14-tägiges Überprüfungs-Cabaret, und neben den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Festivals, Seite 38
von Torben Ibs
Dieses Grandhotel hat schon bessere Tage gesehen. Ohnehin erinnert es mit Schwingtüren und Holzvertäfelung eher an einen Westernsalon als an ein Hotel der gehobenen Art. Aber man muss zugeben: Die Lage ist wirklich einzigartig. Mitten im See gelegen, zu erreichen nur per Boot und über einen geschwungenen Metallleiter-Steg. Aber trotzdem: Irgendetwas ist merkwürdig.
...Dass die Salzburger Festspiele kein ganz gewöhnliches Theaterfestival sind, war selten so deutlich wie in diesem Jahr. Die wichtigste Produktion im Schauspielprogramm, der «Jedermann» auf dem Domplatz, steht seit der Gründung der Festspiele vor mehr als 100 Jahren auf dem Spielplan. Die anachronistische Kuriosität wird inzwischen kaum noch ernsthaft in Frage...
Hier wird man noch mit Handschlag begrüßt. Rainer Frank heißt das hereinströmende Publikum einzeln willkommen, hier ein Händeschütteln, da ein aufmunterndes Augenzwinkern, später geht er durch die Reihen: «Wem habe ich noch nicht die Hand gegeben?» Er präsentiert joviales Strahlen mit dem Appeal eines Thomas Gottschalk auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Das...
